Magazin: Bilderstreit , 1989

Ausstellungsstreit

Ein Text von Donald Judd zu dem Kölner Ausstellungprojekt „Bilderstreit“

„Es ist eine schlechte Sache, das Schlechte nachzuahmen, und nicht einmal den Wunsch zu verspüren, das Gute nachzuahmen.“ Demokrit

Donald Judd, 1928 in Missouri geboren und einer der bekanntesten Bildhauer der USA, war von den Veranstaltern des Kölner „Bilderstreits“, Siegfried Gohr und Johannes Gachnang, zur Teilnahme an der Millionen-Schau gebeten worden. Judd sagte zu, eine bestimmte Arbeit auszuleihen, unter der Bedingung, daß ein Text von ihm im Katalog abgedruckt werde. Judds philosophisch und kunstkritisch gep“ägte Auseinandersetzung mit dem Titel der Aussstellung sowie den im voraus erklärten Zielen und Absichten der Verantwortlichen Gohr und Gachnang, gefiel diesen nicht. Sie empfahlen Judd, der stets auch als Autor zur Kunst Stellung genommen hat (dessen „Complete Writings 1959-1975“ von der University Press New York gedruckt und dessen Schriften von 1975 bis 1986 vom Eindhovener van Abbe Museum herausgegeben wurden), eine gekürzte, „journalistische Fassung“. Judd lehnte ab. Wir drucken die von Edgar Otten übersetzte Originalfassung von Donald Judds Text „Ausstellungsleitungsstreit“ ab.

Sehr große Ausstellungen wie Bilderstreit dienen weder der Kunst und den Künstlern noch der Öffentlichkeit. Sie vermitteln niemals ein wahres Bild von augenblicklichen Entwicklunsgprozessen in der zeitgenössischen Kunst. Die meisten großen Sammlungen zeitgenössischer Kunst sind ebenfalls nicht relevant. Die großen Ausstellungen zum Schaffen früherer Künstler wie etwa die zur Zeit laufenden Präsentationen von Degas und Courbet sind nicht notwendig. Nicht alle, aber viele Museumsausstellungen schaden eher dem Werk, das gezeigt wird. Die meisten Museumssammlungen repräsentieren nicht die Kunst der letzten vierzig Jahre, falls sie das überhaupt leisten…

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