Titel: Ästhetik des Reisens · von Alberto Simon · S. 98
Titel: Ästhetik des Reisens , 1997

Alberto Simon

Beduinen-Behausungen

Mit dem Terminus Beduine, Arabisch für „Bewohner der Wüste“, verbindet sich im allgemeinen die Vorstellung einer traditionell nomadischen Kultur, die jedoch im Begriff ist, halbnomadisch oder ganz seßhaft zu werden. Diese Entwicklung läßt sich verallgemeinern und betrifft praktisch alle Beduinen des Mittleren Ostens wie Nordafrikas. Symptomatisch für dieses Phänomen ist, daß das Zelt als typische Wohnform vom Haus verdrängt wird, wenngleich manche grundlegenden kulturellen Merkmale und soziale Strukturen intakt bleiben.

Die Wurzeln der Beduinen-Kultur lassen sich bis zur Domestizierung des Kamels, ungefähr 2000 v. Chr. zurückverfolgen. Das Kamel eröffnete überhaupt erst die Möglichkeit einer selbständigen Wanderungsbewegung durch große trockene oder halbtrockene Gebiete.

Bei den halbnomadisch lebenden Azazmih im Hochland des Negev ist das Kamel heute so gut wie verschwunden. An seine Stelle sind Autos, Lastwagen und Traktoren getreten. Am Zelt hielt man fest, wenn auch nicht ohne manche Veränderungen, die aus der Allgegenwart und dem leichten Zugang zu industriell gefertigten Materialien und Waren resultieren. So hat zum Beispiel die althergebrachte Bezeichnung des Zeltes als „Haarhaus“ seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Plastikfolie und andere Materialien werden heute häufiger benutzt als die traditionellen, handgewebten Ziegenhaardecken. Allerdings bleibt anzumerken, daß die innere Teilung des Zeltes in die jeweiligen Funktionsbereiche seit nun wohl 4000 Jahren die gleiche geblieben ist. Das Beduinenzelt ist in zwei Hälften geteilt: in den mahram (den Harem) für die Frauen und den sigg für die Männer. Alles was mit dem Kochen zusammenhängt, wie Kochutensilien, Lebensmittellagerung und das Kochen selbst, findet sich in der weiblichen Hälfte. Die Feuerstelle bei den Männern dient nur…

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