Ausstellungen: Bern , 2001

Dora Imhof

Black Box
Der Schwarzraum in der Kunst

Kunstmuseum Bern, 15.6. – 9.9.2001

Black Box ist so etwas wie der Idealfall einer Ausstellung – klein, intellektuell vielschichtig und sinnlich einnehmend. Die Idee reicht ins Jahr 1993 zurück, als der Kurator Ralf Beil eine Ausstellung von Tatsuo Miyajima besprach und bemerkte, dass sich noch nie jemand eingehend mit den schwarzen Räumen in der Kunst beschäftigt hatte. Acht Jahre später ist die Black Box in jedem Museum und in aller Munde. Jeff Wall wünscht sogar, dass das universale Museum neben Sonnenflügel mit weißen Räumen auch Mondtrakte mit abgedunkelten Räumen besitzen soll. Noch ist es nicht ganz soweit und vor allem ist die Reflexion noch nicht der Praxis gefolgt. Welches sind die historischen Vorläufer, psychologischen Implikationen, Formen und Intentionen künstlerischer Nützungen des Schwarzraumes in der Kunst? Und: „wird sich die Black Box bald abnutzen, allein schon durch schlechte Ausstellungspraxis“, fragt der Kurator in seiner ersten Ausstellung unter eigener Regie. Die Ausstellung umfasst 12 Räume. Jeder von ihnen lotet eigene Aspekte der Black Box aus.

„Coruscating Cinnamon Granules“ von 1996 markiert den Anfang der Ausstellung. Rodney Graham inszeniert eine Kinosituation. Die schwarzweiße Filmprojektion zeigt – an Experimente des strukturalen Films erinnernd – aufleuchtende helle Punkte, die Kreise bilden. Es sind Zimtkörner, die der Künstler in seiner abgedunkelten Küche auf eine heiße Herdplatte streut, das Alltägliche wird zum leinwandfüllenden Ereignis. Der Vorführraum hat exakt die Dimensionen seiner Küche. Die Projektionssituation ist Teil des Werkes, und die Kontrolle über die Präsentation und die Steuerung der Wahrnehmung sind Faktoren,…

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