Magazin: Kulturpolitik , 1996

Marius Babias

Braucht der Mensch Kultur?

Wenn ja, was darf sie kosten?

Die Berliner Kulturpolitik unter Peter Radunksi

Ulrich Roloff-Momin verabschiedete sich verbittert aus dem Amt: „Die Zusammenlegung der beiden Ressorts Kultur und Wissenschaft ist ein Skandal.“ War unter Anke Martiny (Szenename Martiny dry) die Berliner Kultur in die Leserbriefspalten abgerutscht und unter Volker Hassemer (Szenename Hassmer `ne Mark) immerhin unter Vermischtes anzutreffen, dominierte Roloff-Momin die Schlagzeilen. Der „Schiller-Killer“ ließ vom Lenindenkmal über die Frauenförderung bis zur Hauptstadtkulturfinanzierung kein Fettnäpfchen aus, um die Berliner Kultur und ganz nebenbei auch sich selbst zu profilieren. Die Fusion von Kultur und Wissenschaft unter seinem Nachfolger Peter Radunski erinnert ihn an ein Fußballspiel: „Der Trainer kann sich aus Kostengründen keinen Stürmer leisten und bürdet diese Position einem gestandenen Mittelfeldspieler auf.“

Noch vor Amtsantritt hatte Peter Radunski, von seiner politischen Statur her rechter Außenverteidiger, bereits ein Eigentor geschossen. Er verweigerte dem Rat der Künste, einer Initiative Berliner Institutionen zur Sicherung der Hauptstadtkulturfinanzierung, das Gespräch. Der Kulturzuschuß aus Bonn schrumpfte von 210 Millionen Mark im Jahr 1991 auf 28 Millionen im Jahr 1995. Ab 1996 sollen dann 60 Millionen jährlich fließen. Radunski, ehemals Senator für Bundesangelegenheiten, nahm die Kürzung ohne Widerspruch hin. Genau deshalb werden ihm gute Kontakte nach Bonn nachgesagt.

Die CDU wollte das Kultur-Ressort unbedingt zurückhaben. Landowsky-Spezi Peter Raue war erste Wahl. Weil der schillernde Rechtsanwalt lieber hinter den Kulissen agiert, bekam ein kühler Buchhalter den Senatorenjob. Eine vielleicht gar nicht so dumme Entscheidung. Ironischerweise könnte Radunski vollenden, was Roloff eingeleitet hat: die Anpassung der Kultur an die Konsumenten. „Ich…

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von Marius Babias

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