Ausstellungen: Heidelberg · von Claudia Posca · S. 380 - 381
Ausstellungen: Heidelberg , 1999

Claudia Posca

Brennpunkt Informel

»Quellen – Strömungen – Reaktionen«

Heidelberger Kunstverein im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg, 8.11.1998 – 17.1.1999

1998 schien ein Jahr des Informel zu sein, jener in den 50er Jahren virulenten und aus heutiger Sicht „so weit bisher erkennbar, am meisten originären Hervorbringung der bildenden Kunst“ dieser Zeit (Christian Rathke im Kunstforum Bd. 59), gab es doch eine Reihe einschlägiger Ausstellungen zum Thema. Bemerkenswert dabei ist, daß der gegenwärtige Auftritt einer historisch etablierten Malerei in Zeiten einer der Malerei nicht sonderlich gewogenen Kunstentwicklung weniger auf den Bühnen des Kunstmarktes stattfindet – hier feierte das Informel bekanntlich vor allem in den 80er Jahren Triumphe -, denn auf dem Podium von Ausstellungsinstituten und offizieller Rezeption. Und das, obwohl andererseits noch immer das gängige Vorurteil vom schnellgemalten Informel zirkuliert, und auch das Informel selbst dieser Kritik Vorschub leistet, indem es sich als eine dem offenen und vor allem die Spontaneität thematisierenden Bildkonzept zugeneigte Äußerungsform vehement gegen allzu statische Erklärungsschemata sperrt.

Tatsächlich ist das Informel in Deutschland seit seinem ersten legendären Auftritt 1952 in der Frankfurter Zimmergalerie Franck unter dem Titel „Neuexpressionisten“, mit Werken der später so genannten Quadriga-Künstler K.O. Götz, Heinz Kreutz, Otto Greis und Bernard Schultze, nie eine homogene Stilrichtung von eindeutiger Erscheinungsweise gewesen. Eher ist mit der Formel Informel ein eingängiger Hilfsbegriff gegeben, der als Preis für theoretische Griffigkeit und schnelles Handling individualstilistische Unterschiede der informellen Malerei zugunsten einer nur vermeintlich durchgängigen Phänomenologie glättet.

Im allgemeinen Bewußtsein prägte sich so ein Bild vom seinerzeit noch Tachismus genannten Informel (von tache, dem Fleck abgeleitet) ein,…

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