Titel: Dialog und Infiltration , 1999

INGO GÜNTHER

Enzyklopädie des Globalen

1984 begann Ingo Günther, mit Satellitenfotos zu arbeiten. Zusammen mit seinem New Yorker Kollegen Peter Fend hatte er die Idee, Aufnahmen von den politischen, militärischen und ökologischen Krisengebieten aufzukaufen und sie dann nach entsprechender Aufbereitung in Medien wie „New Scientist“ und „The Times“ zu veröffentlichen. „Meine Idee war, Journalismus mit den Mitteln der Kunst zu betreiben“, erklärt Günther später zu diesem Projekt „Ocean Earth“.1 Dabei ging es vor allem um Informationen, die der Öffentlichkeit vorenthalten blieben und mit denen man die „Weltnachrichten aktiv mitgestalten“ konnte. Immerhin schafften es Günther und Fend, solch brisante Entdeckungen wie einen strategisch wichtigen künstlichen See im Irak oder die Stationierung sowjetischer SS-20-Raketen in Lybien publik zu machen.

Günthers Arbeiten mit Satellitenfotos und auch die späteren Projekte stellen die Ambivalenz solcher Technologie heraus: der friedlichen wissenschaftlichen Aufklärung z.B. durch Wettersatelliten oder auch der nachrichtendienstlichen Aufklärung durch „Spionagesatelliten“ steht die Möglichkeit totaler globaler Überwachung und Kontrolle gegenüber. Herbert Marshall Mc Luhan hatte sich noch „Frieden im globalen Dorf erhofft“: je mehr die Kontrahenten in den einzelnen Machtblöcken übereinander wüßten, desto geringer sei die Gefahr militärischer Konfrontation. Ingo Günther ist da viel skeptischer, auch nach dem Ende des Kalten Krieges, und aus dieser Skepsis heraus geschieht die Arbeit mit hochmoderner Technologie nicht als Selbstzweck, der bei anderen Künstlern durch die Faszination über die Möglichkeiten perpetuiert wird, sondern zur Artikulation politischen Denkens. So ist auch in Günthers „Cross-Over“-Beziehungen zu einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen immer eine politische Dimension spürbar. Peter Friese bemerkt dazu: „Für Ingo Günther ist die Kunst…

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