Titel: Dialog und Infiltration · von Christiane Fricke · S. 46
Titel: Dialog und Infiltration , 1999

Für eine Überwindung der Teilkulturen

CHRISTIANE FRICKE IM GESPRÄCH MIT ERNST PÖPPEL

Christiane Fricke: Die heute im Deutschen Museum Bonn beheimatete Ausstellungsreihe „Art & Brain“ hat 1994 ihren Ausgangspunkt in einer einwöchigen Begegnung von Künstlern und Wissenschaftlern am Forschungszentrum Jülich genommen. Initiatoren waren Sie und der Ausstellungsmacher Hans-Ulrich Obrist. Sie arbeiten als Hirnforscher am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Von 1992 bis 1997 bekleideten Sie einen Vorstandsposten am Forschungszentrum Jülich. Warum war es für Sie wichtig, Künstler nach Jülich zu holen? Auf welchem ideellen Fundament gründet Ihr Engagement?

Ernst Pöppel: Ich empfand die Notwendigkeit, Gedanken aus einer anderen Teilkultur dort hineinzutragen, die Wissenschaft an den Gedanken der Künstler zu reiben und den Beteiligten erkennbar zu machen, daß wir uns im Grunde sehr viel ähnlicher sind als allgemein angenommen. Philosophisch orientiere ich mich an Ernst Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“. Kunst und Wissenschaft, Mythos und Religion sind ja im Grunde Symbolisierungen eines zugrundeliegenden gleichen Mechanismus des Ausdruckswillens des menschlichen Gehirns bzw. des menschlichen Geistes.

Was ist denn überhaupt in Jülich passiert?

Die Künstler wurden von mir von Labor zu Labor geschleppt und mit den Einrichtungen des Zentrums bzw. seinen verschiedenen Forschungsgebieten vertraut gemacht. Ich fand, sie mußten einfach einmal sehen, wie Naturwissenschaftler an so einem Forschungszentrum arbeiten und mit welchen Maschinen bzw. Großgeräten sie es dort zu tun haben. D.h., sie haben unmittelbar Kontakt mit anderen Welten aufgenommen. In Jülich sind ja viele Welten vertreten: die Lebenswissenschaften, die sich der Erforschung der biologischen Vorgänge im menschlichen Körper, der Erkennung von Krankheiten und Entwicklung lebenswichtiger…

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