Titel: Dialog und Infiltration · von Jürgen Raap · S. 137
Titel: Dialog und Infiltration , 1999

HORST GÜNTER KOCH

Skulpturen als Schaumodell

In den siebziger Jahren propagierte Horst Günter Koch in seiner Malerei eine „Versöhnung“ zwischen Mythologie und Naturwissenschaften: Bilder mit Titeln wie „Vorstufe des Lebens“ (1977) zeigen eine surreale Phantastik mit Anklängen an science fiction-Illustrationen, die einer Popularisierung wissenschaftlicher Sachverhalte dienen. Später machte er sich einen Namen als Trickfilmer und mit wissenschaftlichen Film-Features. Dazu gehört u.a. die 13teilige TV-Serie „Geheimnisvoller Kosmos Gehirn“ (ARD und 3SAT, 1990), die von Prof. Ernst Pöppel wissenschaftlich betreut wurde.

Um die Aktivitäten der Nervenzellen und ihre Vernetzungen im Film darstellen zu können, entwickelte Koch zwei Objektmodelle „Nervenzelle“ und „Ausschnitt aus dem Kortex“. Hierzu wurden ca. 30.000 elektronenmikroskopische Fotografien ausgewertet. Koch: „Da es keine Möglichkeit gibt, in vivo eine Nervenzelle unbeschädigt aus dem sie umgebenden Gewebe zu trennen, muß die künstlerische Vorstellung eingesetzt werden, um die wirkliche Gestalt einer Nervenzelle zu erahnen, die man optisch nicht direkt nachkontrollieren kann“.

Daher begreift Koch seine Arbeiten als künstlerische Skulpturen, obwohl sie eigentlich die Bedeutung von medizinischen bzw. biologischen Darstellungen haben, die als „Szenenbild“ für die Kameraführung plastisch umgesetzt wurden.

Von diesen Objekten ausgehend plant Koch derzeit als künstlerische Rauminstallation ein begehbares Gehirn in den Ausmaßen von etwa 64 x 50 m, mit einem „Saal des Bewußtseins“ als „Aktionsraum“ im Zentrum.

Jürgen Raap

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