Titel: 57. Biennale Venedig - Gespräche · von Heinz-Norbert Jocks · S. 44
Titel: 57. Biennale Venedig - Gespräche , 2017

Christine Macel

Antikapitalistische Eloge der Faulheit
Ein Gespräch mit der Kuratorin der 57.Biennale di Venezia

von Heinz-Norbert Jocks

Christine Macel, 1969 in Paris geboren, seit 2000 Chefkuratorin des Centre Pompidou in Paris, ist bekannt für ihre extravaganten Ausstellungen mit Künstlern wie Sophie Calle, Philippe Parreno, John Bock und Gabriel Orozco. In „Airs de Paris“ bezog sie sich 2007 auch auf ein Gegenwartsthema wie die Gentrifizierung und den damit einhergehenden Wandel der Stadt. In einer anderen Ausstellung widmete sie sich der nicht-offiziellen Kunst der osteuropäischen Länder ab 1956. Auch mit dem Tanz des 20. und 21. Jahrhunderts in Bezug zur Kunst hat sie sich in „Danser sa Vie“ (2011) auseinandergesetzt. Mit ihrer Berufung zur Kuratorin der 57. Biennale ist sie die vierte Frau in dieser Position. Warum sie sich nicht dem Zwang zur Politisierung beugt und sich dennoch als politisch versteht, dazu äußert sie sich in den in Paris und Venedig geführten Gesprächen.

Heinz-Norbert Jocks: „Humanismus“ ist ein Begriff, auf den Sie unter anderem zurückgreifen, um Ihre mit der Biennale verknüpften Absichten zu umreißen. Dieser spielt in der französischen Philosophie eine große Rolle. So heißt beispielsweise ein bedeutender Text von Jean-Paul Sartre „Ist der Existentialismus ein Humanismus“. An den philosophischen Terminus im engeren Sinne denken Sie wohl nicht?

Christine Macel: Norbert, lassen Sie es mich wie folgt umreißen: Als ich Anfang letzten Jahres anfing, über die Biennale nachzudenken, wurden wir von alarmierenden Ereignissen überrascht. Da drängte sich die Frage auf, ob der Humanismus, das Vertrauen in…



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