Titel: 57. Biennale Venedig - Hauptausstellung Giardini · von Wolfgang Träger · S. 106
Titel: 57. Biennale Venedig - Hauptausstellung Giardini , 2017

VIVA ARTE VIVA

Zentrale internationale Ausstellung: Giardini

Kuratorin: Christine Macel 13. Mai – 26. November 2017 Fotorundgang von Wolfgang Träger*

*wenn nicht anders vermerkt

Die Hauptausstellung Viva Arte Viva ist in neun Kapitel unterteilt. Sie entfaltet sich so organisch wie die aufeinander folgenden Kapitel eines Buches. Jedes Kapitel repräsentiert dabei einen Pavillon und spiegelt damit die historische Organisation der Biennale. Weil hier in der Hauptausstellung jedoch die nationale Zugehörigkeit der Künstler keine Rolle spielt, versteht Christine Macel diese Pavillons als „Trans-Pavillons“. Die ersten beiden befinden sich im zentralen Pavillon in den Giardini, die folgenden sieben in den Arsenalen. Innerhalb dieser beiden Ausstellungsorte sind die einzelnen Pavillons dabei räumlich aber nicht voneinander abgegrenzt, sondern gehen fließend in einander über.

Parallel Projects Tavola Aperta

I. Der Pavillon der Künstler und Bücher

Der erste Pavillon stellt den Künstler selbst in den Mittelpunkt und das Verhältnis zu seinen Erfahrungen und Kenntnissen. Es wird auf die Praktiken, die Art und Weise, auf die Künstler Kunst schaffen eingegangen, oft in einem Spannungsfeld zwischen Muße und aktivem Handeln. Der Pavillon der Künstler und Bücher gewährt dazu Einblick in die Studios und so in die materiellen und spirituellen Welten von Künstlern, vor allem und auch, durch das Aufzeigen ihrer Beziehung zu Büchern, Text und Wissen im Allgemeinen und im weitesten Sinne des Wortes.

Dawn Kasper, Mladen Stilinovic, Franz West

„Der vor kurzem verstorbene Kroate Mladen Stilinovic hat ein Werk mit dem Titel „Artist at work“ geschaffen. Dieses kurze, im Internet auf der Webseite der Biennale gestellte Video besteht darin, dass er, in seinem Bett liegend, sagt, die westlichen seien keine wahren Künstler, weil sie mit Galerien und der Kunstwelt vernetzt sind. Die echten zeichneten sich dadurch aus, dass sie faul seien und deshalb Zeit für sich hätten. Sie kämen aus dem Osten. Ihre Aktivität sei keine rentable Aktivität. Faulheit ist für ihn demnach ein Synonyme für Kunst.“ Christine Macel

Frances Stark, Søren Engsted, Petrit Halilaj

Yelena Vorobyeva & Viktor Vorobyev, Katherine Nunez & Issay Rodriguez, John Latham

Jianyi Geng, Ye Liu, Abdullah Al Saadi

Ciprian Muresan, Taus Makhacheva, John Waters

Philippe Parreno, Hassan Sharif, Raymond Hains

„Wenn ich einen Künstler in seinem Stufio aufsuche, sehe ich was ihn umgibt. In dem Zusammenhang erinnere ich meinen Besuch bei Raymond Hains. Das war weniger ein Atelier als die Offenlegung seines Gehirns, bestehend aus einer Ansammlung von Dosen, Blättern, Objekten. Es war so zugestellt und wie ein Labyrinth, durch das man sich einen Weg bahnen musste. Der Anblick all dieser Dinge sagte bereits alles. Es zeigte, wie er sich die Welt in dem Raum anhand von Objekten organisierte. Wie eine Wohnung etwas über den Menschen aussagt, der dort lebt, so erteilt ein Atelier Auskunft über den Künstler, der dort arbeitet.“ Christine Macel

Edi Rama, Olafur Eliasson, Cerith Wyn Evans

„Meines Erachtens erwarten viele Ausstellungsmacher von der Kunst einen wie auch immer gearteten Aktualitätsbezug. Das kann durchaus spannend sein wie im Fall von Olafur Eliasson, der mit seinem Team für die Ausstellung eine Arbeit mit Migranten in Verbindung mit Workshops konzipiert hat, an denen sie freiwillig teilnehmen. Dabei geht es um die Frage der Integration mit dem Ziel, ihnen eine Ausbildung sowie einen Austausch und Unterstützung durch den Verkauf von Lampen zu bieten, die vor Ort fabriziert werden.“ Christine Macel

McArthur Binion, Agnieszka Polska

von Wolfgang Träger

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