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Titel: 57. Biennale Venedig - Analyse · von Max Glauner · S. 86 - 93
Titel: 57. Biennale Venedig - Analyse , 2017

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von Max Glauner

Die Performance und die performativen Künste gehören seit der 56. Venedig Biennale endgültig in den Kanon der zeitgenössischen Kunst – im Zeitalter der Post-Performance als analoge Spur ihres Digitalisats. Die Goldenen Löwen der 57. Venedig Biennale an den Deutschen Pavillon und Anne Imhof und Franz Erhard Walther stecken die große Spanne der gegenwärtigen Aufführungspraxen ab.

1. Prolog

Von der Peripherie zurück ins Zentrum: Die hessische Stadt Fulda bezeichnete bis zur Wende nicht nur geografisch sondern auch mental den Osten der Bundesrepublik Deutschland. Nur fünfunddreißig Kilometer von der Zonengrenze entfernt, war man im sogenannten „Fulda Gap“, dem Einfallstor des Warschauer Pakts in den goldenen Westen, in einem der ältesten deutschen Bistümer ständig auf der Hut vor den sozialistischen Brüdern konservativ, gottesfürchtig und erzkatholisch unter dem Schutz der amerikanischen Streitkräfte und des Germanenmissionars Sankt Bonifatius.

Heißt nun von Fulda lernen, siegen lernen? Beide deutsche Gewinner eines Goldenen Löwen auf der diesjährigen 57. Venedig Biennale sind in Fulda aufgewachsen. Beide vertreten performativ-partizipative Positionen. Gibt es da einen Zusammenhang? Franz Erhard Walther, der den Preis für das beste Werk in der Hauptausstellung erhielt, wurde hier 1939 geboren. Er verließ die Stadt, um von 1957 – 1959 an der Werkkunstschule in Offenbach am Main der heutigen Hochschule für Gestaltung zu studieren. Von dort ging es über Frankfurt, Düsseldorf und von 1967 bis 1971 nach New York bis er als Professor an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen wurde. Martin Kippenberger, Jonathan Meese, Santiago Sierra, Martina Debus, Almut Linde, und Rebecca Horn gehörten…

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