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Ausstellungen: Nürnberg · S. 394 - 394
Ausstellungen: Nürnberg , 1990

Martin Blättner
Claus Feldmann

Galerie Ursula Ehrhardt, 10.5. – 16.6.1990

Da die photographische Industrie die Zuflucht aller mangelhaften Maler war, die zu unbegabt oder zu träge waren, um ihre Studien zur Vollendung zu bringen, so trug diese allgemeine Modesucht nicht nur den Charakter der Blindheit und Imbezillität, sondern sie schmeckte auch stark nach einer gewissen Rache.“ Diese 1859 von Charles Baudelaire geschriebene Polemik über „Das moderne Publikum und die Photographie“ sollte Claus Feldmann, den Förderpreisträger der Galerie Ursula Ehrhardt 1990, nicht mehr allzu sehr irritieren, denn die Photographie hat sich als künstlerisches Medium weitgehend etabliert – Film und Video sind als weitere Konkurrenten im Wett-streit mit der bildenden Kunst noch hinzugekommen. Womöglich hat Baudelaire das träumerische Potential seiner „Todfeindin“ (der Photographie) unterschätzt. Vielleicht war selbst er von der „rapiden Geschwindigkeit“ des Fortschritts zu sehr geblendet, um sich den Zwiespalt von Realität und Fiktion einer Nachmoderne auszumalen. Nein, vieles spricht dafür, daß die produktive Phantasie des 34jährigen Künstlers Feldmann erhalten geblieben ist. Noch 1987 hatte er Leinwände mit lebensgroßen „Menschenratten“ bemalt – das spontane Kalkül war schon damals zu ahnen. In bewußter Anlehnung an Comic-Figuren und ohne den Kontext einer inhaltlichen Geschichte wollte der fortan etwas verniedlichend als „Mäusemaler“ apostrophierte Künstler Inszenierungen schaffen. Verschiedene Faktoren trugen zu einem Wechsel des Mediums bei: Die eher zufällige Tätigkeit in einem Photostudio, das Theaterspiel und die Bühnenbildarbeit lösten den Schritt zum reflektierenden Umgang mit der Photographie aus. Feldmann kommt es weniger auf Perfektion an. Vordergründiger Ausgangspunkt ist das Spiel mit der Realität. Motive sind ausschließlich kleine…


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