Ausstellungen: Rotterdam/Bern , 1990

Noemi Smolik

Robert Gober

Museum Boymans-van Beuningen, 13.5. – 1.7.1990

Kunsthalle, 1.9. – 14.10.1990

Hat Robert Gober mit Duchamp etwas zu tun oder nicht? Selbstverständlich hat er – und hat auch wieder nicht. Er stellt Waschbecken, Pißbecken, Betten, Kindergestelle, Sessel und Hundekörbe als Kunstgegenstände in Galerie- und Museumsräumen auf – so auch während seiner ersten Retrospektive in dem Rotterdamer Museum Boymans-van Beuningen – die bei jedem, selbst schwachen Kenner der modernen Kunst sofort die Erinnerung an das legendäre „Pissoir“ von Marcel Duchamp, das er 1913 in einem Kaufhaus erstanden und unter dem Titel „Fountain“ für eine juryfreie Ausstellung der „Society of American Artists“ eingereicht hatte. Und mit dieser Geste löste er ein bis heute unbewältigtes Dilemma der mittlerweile in die Jahre gekommenen Avantgarde aus: Wer, wann und nach welchen Wertmaßstäben bestimmt, ob ein Gegenstand ein Kunstobjekt ist oder auch nicht? Dieser Frage nachzugehen, sie neu zu stellen und dadurch das Kunstpublikum immer wieder herauszufordern, versuchten in diesem Jahrhundert schon viele Künstler, und sie tun es heute noch. Erinnert sei nur an die Amerikaner Jeff Koons, Ashley Bickerton und Heim Steinbach.

Doch anders als diese Künstler, die fertige oder industriell hergestellte Objekte zu Kunstwerken erklären und dadurch Marcel Duchamp nacheifern, verläßt Robert Gober mit seinen Objekten diesen Weg. Und das macht ihn zu einem der interessantesten Künstler seiner Generation. Doch eigentlich verläßt er diesen Weg gar nicht. Vielmehr geht er ihn Schritt für Schritt bis auf seinen einstigen Ausgangspunkt zurück, nämlich in die düstere Zeit, als die Kunst noch mit den eigenen Händen des Künstlers hergestellt…

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