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Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 387 - 387
Ausstellungen: Köln , 2001

Jürgen Raap
Clemens Braukschulte

»Nicht Hier und nicht Dort«
Artothek der Stadt Köln, 3.5. – 22.6.2001

Geschichten aus der Vorstadt: Clemens Braukschulte unternimmt mit seinem Fotoapparat ausgedehnte Radtouren in urbane Randgebiete. Beim Schwarz-Weiß-Abzug wählt er dann aus einer Totalaufnahme einen bestimmten Ausschnitt aus, der eine extreme Perspektive bietet oder bei dem Mauerecken zu Linien einer konstruktiven Bildkomposition werden. Es handelt sich dabei um eine rein formalkünstlerische Korrektur der Vorlage, und nicht um eine bildnerische Poetisierung der zumeist tristen Realität von Vorortbahnhöfen und den Pfützen im rissigen Asphalt ihrer Vorplätze. Auch bei der verrammelten hölzernen Imbissbaracke vor einer Bahnunterführung hat das Schild mit dem Namen „Curry Fritz“ keine andere künstlerische Bedeutung als in der Wirklichkeit.

Ein Parkplatzschild mit Pfeil, zwei Strommasten und im Vordergrund eine Mauer mit „Tempo 30“-Schild, eine Straßenbahnhaltestelle, ein Plattenweg durch einen Schrebergarten, eine Treppe an einer grasbewachsenen Böschung, eine niedrige Steinbrücke über einem Gewässer, auf das Regentropfen prasseln und ein altes Haus mit einem großen steinernen Kreuz an der Fassade: Das ist Braukschultes Motivfundus. Es sind Orte der stadtplanerischen Vernachlässigung, und für Braukschulte liefern solche Orte künstlerisch nutzbare Gegenbilder zu den illusionistischen Fassaden der Urbanität in den Touristenvierteln mit glitzernden Hotelpalästen und den Geschäftszentren mit repräsentativen Bürokolossen und granitverkleideten Passagen. Der atmosphärische Kontrast zwischen diesen beiden Stadtwelten ist zugleich auch ein soziologischer, obwohl Menschen in Braukschultes Fotos fast nie auftauchen. Aber man weiß ja, dass zu dieser Welt krautig wuchernder Schrebergärten die Aldi-Tüte als konsumkulturelle Chiffre gehört, und dass düstere und durchnässte Bahndammbögen nicht als Kulisse für Werbespots taugen, in…



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