Ausstellungen: Basel , 2011

Max Glauner

Coincidentia Oppositorum

Constantin Brancusi – Richard Serra

Fondation Beyeler, Riehen bei Basel, 22.5. – 21.8.2011

Wer im vergangenen Sommer eine Ahnung davon bekommen wollte, wie der Ort aussieht, an dem sich Parallelen im Unendlichen schneiden, musste die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel besuchen.

Mit der Ausstellung „Constantin Brancusi und Richard Serra. A Handbook of Possibilities“ gelang dort eine Begegnung, die gleichzeitig so dahergeholt wie unmittelbar einleuchtend erschien – problematisch und spannungsgeladen allemal. Sie inszenierte zwei Ausnahmekünstler, denen es jeweils vergönnt war, eine Entwicklung der modernen Bildhauerei auf ihren Höhepunkt und zu ihrem Abschluss zu bringen. Führte der 1876 in Rumänien geborene Brancusi mit seinen reduzierten Köpfen, Vögeln und Stehlen die figurative Abstraktion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an einen Point-of-no-Return, so war es Richard Serra, 1939 in San Francisco geboren, der mit seinem materialbetonten, site-spezifischen Minimalismus in den 1980er-Jahren ein weiteres Kapitel der Kunstgeschichte schloss.

Die Gegensätze könnten allerdings kaum größer sein. Hier die fein ausgearbeiteten Torsionen, Schwellungen und Volumen, dort die schwere Masse großformatiger, kantiger Stahlplatten, bedrohlich und tonnenschwer. Die Arbeiten Brancusis erscheinen kaum weniger hermetisch als die Serras. Doch in Brancusi begegnet einem ein kontemplativer Hermetiker, dem die peripatetische Hermetik bei Serra mit dem Übertritt ins architektonische entgegensteht. Versucht der Betrachter auch noch so in sie zu dringen, bleiben Brancusis Figurinen immer für sich, während Serras Arbeiten zur Bewegung und zur Stellungnahme zwingen. Gleich im Foyer der Fondation behauptet sich Serras drei Meter hohe, neun Meter breite und zwanzig Zentimeter starke Stahlplatte „Fernando Pessoa“ (2007/08). Bereits hier begegnet dem…

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