Ausstellungen: Gera , 1998

Peter Herbstreuth

Daniel Richter

Dix-Preis

Kunstsammlung Gera, 17.7. – 13.11.1998

Seinen ersten Auftritt hatte er letztes Jahr in der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts (CFA). Die Ausstellung mobilisierte sofort Verfechter und Verächter und war mit Grund umstritten. Denn stets tritt der Hamburger Daniel Richter mit Pinsel, Spachtel, Messer auf wie der Pirat Long John Silver mit der Machete. Wer nicht mit ihm ist, der ist wider ihn, und den pustet er mit einem Wortschwall an die Wand. Denn wenn er neben seinen Bildern steht und wie ein Sturzbach redet, ist er unschlagbar, für manche sogar überzeugend.

Nun hat der 1962 Geborene den mit 20.000 Mark dotierten „Otto Dix Preis“ für eben jenen Bild-Typus erhalten, den er bei CFA ausgestellt hat. Er verficht zwar die alten Werte, als habe er sie selbst entdeckt: Handschrift, Stil, Originalität. Was aber letztlich deutlich wird, ist eine rasende Aggressivität gepaart mit dem unbedingten Willen, alles unter Kontrolle zu bekommen. Seine Bilder sind Schlachtfelder, aus denen das Maler-Ego stets als Sieger hervorgeht; zumindest im Atelier. Seine Feinde lauern in den kunsthistorischen Fakultäten. Und er mobilisiert alles, um das Bildvermögen seiner Taten aus dem Ordnungssystem des akademischen Diskurses befreien. Warum? Um Malerei als Faszinosum und Denkform nach altem Maßstab erneut zu etablieren und als Kraftfeld des Unfaßlichen in Schönheit strahlen zu lassen. Aber wie? Er versucht alles noch einmal und alles auf einmal zu sagen und instrumentiert jedes Bild als Kollaps. Mehr ist mehr. Richter nimmt es mit der gesamten Malerei auf und will dem Farbgemetzel mehr als nur den bloßen Schatten…

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von Peter Herbstreuth

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