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Monografie · von Jürgen Glaessmer · S. 234 - 265
Monografie , 1988

Michael Buthe:
Das Schönste ist, daß man überhaupt lebt

von Jürgen Glaessmer

Schau, wie des Tänzers Leib
dem Weidenzweige gleicht.
Wie mir, wenn er sich wiegt,
die Seele fast entweicht!
Und wie kein einz ‚ges Glied
bei seinem Tanze ruht,
Als war in seinen Füßen
meines Herzens Glut!

Die Geschichte von Ibrahim und Dschamila aus den Erzählungen von Tausend und einer Nacht

Buthes gesamtes Werk hat etwas von einem Journal intime, er sammelt, zeichnet, malt, klebt, zimmert und installiert ohne Unterbrechung an den aufeinander folgenden Seiten eines monumentalen Tagebuches.

Als eine der wesentlichen Grundlagen seiner gesamten Produktion bezeichnet er eine Reihe großer Folianten, seine „Tagebücher“, wie er sie auch selber nennt. Die Seiten dieser Bücher sind bis zum Bersten angefüllt mit Aquarellen, Zeichnungen und Bildcollagen. mitTextilien. Objekten und gesammelten Zeitungsartikeln; sie bilden so etwas wie den Kern seines Bildvorrates. Verständlich, daß er sich so gut wie von allem trennen kann, nicht aber von diesen Büchern.1

Buthe begann die Arbeit an seinen Tagebüchern in den sechziger Jahren mit einer Folge kleinformatiger Notizbände. In diesen Büchern hielt er Beobachtungen fest, die ihm damals allerdings so persönlich schienen, daß er sie nicht in allen Teilen der Öffentlichkeit preisgeben wollte. Deshalb bandagierte er die Bände in Klebestreifen und gestaltete sie in massive, emotionsgeladene Objekte um, die ihren Inhalt heute nur noch nach einem gewalttätigen Aufbrechen und Eindringen in die Intimsphäre preisgeben würden.

Das Private, das in den ersten Büchern zunächst noch in Worte gefaßt war, wechselte allmählich immer selbstverständlicher ins Bild über. Der Übergang bewirkte einen erheblichen Stoß im Bereich der…


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von Jürgen Glaessmer

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