Ausstellungen: Köln · von Amine Haase · S. 387
Ausstellungen: Köln , 1996

Amine Haase

Das Weltbild des Öyvind Fahlström

Kölnischer Kunstverein, 1.3. – 21.4.1996

Ein Mann macht sich ein Bild von der Welt. Schafft er sich damit ein Weltbild? Wer vom Leben zum Welt-Nomadentum gezwungen wird, versucht wohl als Überlebenstraining, die Welt zu erfassen. Und wer ein Künstler ist, der ist dazu aufgerufen, die Welt zu „poetisieren“, wie der Dichter Baudelaire es nannte. Nomade und Künstler, Öyvind Fahlström war beides. Sein „Weltbild“ ist das Produkt seiner Wanderungen über den Globus. Sein Blick ist geschärft durch die politischen Erfahrungen zwischen dem zweiten Weltkrieg und Vietnam, zwischen flower power und Mai 1968. Seine Bilder entstehen nicht im Elfenbeinturm, sondern sind immer Landkarten des Erinnerns, Gesetzestafeln für Utopien, Manifeste eines – natürlich besseren – Gesellschaftsentwurfs. Die schwergewichtigen Botschaften kommen auf den leichten Schwingen von Comic-Figuren und schmeicheln sich mit den fröhlichen Farben der Plakatwerbung ein. Die Sprache ist allgemeinverständlich, und beugt man sich über Details, dann wird der Weltbürger als Weltverbesserer erkennbar.

1928 ist Fahlström in Brasilien geboren, ein brasilianischer Bürger mit schwedischen Eltern. Die schicken ihn von seinem zehnten Lebensjahr an nach Schweden – zum Schulbesuch; und sie sehen ihn erst wieder, als ihr Sohn zwanzig ist, inzwischen schwedischer Staatsbürger, weil er sich in Zeiten des Krieges lieber dem schwedischen als dem brasilianischen Militär unterstellen wollte. 1949 bis 1952 studiert Fahlström Archäologie und Kunstgeschichte in Stockholm und verbringt klassische Lehr- und Wanderjahre mit Reisen nach Italien, ausgiebigen Aufenthalten in Paris. Er schreibt – Gedichte, Kunstkritiken – und 1952 heiratet er, zum ersten Mal, später noch zwei Mal, das…

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