Magazin · von Justin Hoffmann · S. 488
Magazin , 2001

Data Body Sex Machine

Eigentlich war er längst überfällig, der erste deutschsprachige Cyborg-Reader, nach dem schon eine Reihe anglo-amerikanischer Veröffentlichungen zu diesem Thema erschienen sind. Den Ausgangspunkt für dieses Buch bildet eine vom Verein fem.topia organisierte Veranstaltungsreihe, die schon 1999 im Depot in Wien stattfand. Die Beiträge dieses Bandes beruhen weitgehend auf den dort gehaltenen Vorträgen.

Der Begriff des Cyborgs entstand 1960 im Kontext der Raumfahrtforschung. In der Überzeugung, irgendwann einmal einen anderen Planeten zu besiedeln, erschien es einigen Wissenschaftlern als einfacher, den menschlichen Körper mit Hilfe von Technologie einer fremden Umgebung anzupassen, als ein für ihn geeignetes Ambiente zu entwickeln. Die Wissenschaft sollte somit einen entscheidenden Anteil an der Evolution des Menschen gewinnen. Mona Singer beschreibt diese Entstehungsphase des Cyborgs und seine weitere Entwicklung, insbesondere wie der Cyborg als moderne Version des Maschinenmenschen von Kultur und Massenmedien verwendet wurde. Vor allem Film und Literatur griffen diese neue Form von Lebewesen auf und machte sie zu Protagonisten spannender Erzählungen. Die Medien produzierten ganz verschiedene Typen der Synthese von organischem und anorganischem Material, die unterschiedlichste Aufgaben erfüllten. Wegen der faszinierenden utopischen Entwürfe gilt der Cyborg als das Paradebeispiel dafür, wie sich Science und Science Fiction sinnvoll ergänzen können.

Mit Donna Haraways „A Manifesto for Cyborgs“ von 1985 erhielt die politische Auseinandersetzung um die Idee des Cyborgs einen deutlichen Auftrieb. Im Kontext posthumanistischer Überlegungen wurde der Cyborg erstmals als ein hybrides Modell begriffen, das Gender- und „Rasse“-Grenzen in Frage stellt. Dieses Manifest sollte zu einer der grundlegenden Texte des Cyberfeminismus werden. Dabei ist es keineswegs…

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