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Gespräche mit Kunstvermittlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 438 - 445
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2001

Der Mythos Rousseau

Heinz-Norbert Jocks im Gespräch mit Götz Adriani anlässlich der Ausstellung „Henri Rousseau – Grenzgänger zur Moderne“

Der Koloss Picasso sah in dem Phänomen Henri Rousseau, der lange Zeit als Säulenheiliger der Sonntagsmaler abgetan wurde, keinen besseren Naiven, sondern „einen genialen Koloristen, der naiv war.“ Derzeit zeigt die Kunsthalle Tübingen unter dem Titel Der Grenzgänger zur Moderne die erste Ausstellung seiner Werke in Deutschland. Mit ihren rund sechzig Arbeiten umfasst sie ein Drittel aller bekannten Bilder des Zöllners und Autodidakten. Darunter: kleine Stadtlandschaften, Porträts, Blumensträuße und die schönen rätselhaften Urwaldlandschaften. Sich von Bild zu Bild vortastend, drängen sich einem Fragen auf: Ob er wirklich der Naive war, wie behauptet wurde? Ein Kleinbürger mit sentimentalen Träumen? Oder ein Wegbereiter junger Avantgardisten, die ja seine Malerei bewunderten? Dass er Künstlerkollegen beeinflusste, dafür findet der Kurator Götz Adriani mal schwache, mal recht eindeutige Belege bei Picasso, Matisse Léger, Delaunay, Kandinsky, Macke, Dix, Beckmann und Max Ernst, die den Horizont der Retrospektive erweitern. Eins leuchtet am Ende des Rundgangs ein: Rousseau ist kein Eskapist, sondern einer, der sich der Realität oder dem annährt, was er dafür hält. Mit dem Ausstellungsmacher sprach Heinz-Norbert Jocks in Tübingen.

Heinz-Norbert Jocks: Warum Henri Rousseau heute?

Götz Adriani: Sie wollen wissen, was er uns heute sagt?

Ja, und noch mehr. Die Lehre vom Ende der Malerei ist für Sie wohl nur Gerede!

In der Tat halte ich die Möglichkeiten der Malerei für unbegrenzt. Man muss sich einmal klar machen: Bereits in den 70er Jahren des 19.Jahrhunderts, also zur Hochzeit der Impressionisten und auch…

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von Heinz-Norbert Jocks

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