Biennalen: Videonale Bonn , 2005

Andreas Denk und Beate Eckstein

Die Entdeckung der inneren Realität

Narrative Techniken im Bandprogramm der Videonale 10

Die Auswahl der Jury für die diesjährige Videonale irritiert erfreulicherweise durch offenbar undogmatische und ganz und gar ahistorische Sichtweisen. Hoffnungen auf kommode Videoproduktionen im Stile großen Erzählkinos erfüllen sich auch im 20. Jahr des Bestehens des Festivals nicht. Die vom Auswahlgremium gesuchte „lineare Bilderzählung“ findet in mannigfaltigen Formen, aber fast gar nicht im Sinne einer „Errettung der äußeren Wirklichkeit“ statt, wie sie Siegfried Kracauer seinerzeit vom Film erhoffte. Stattdessen sind es kleine und große Stücke mit hohem und mit niedrigerem Anspruch, die ganz unterschiedliche Rezeptionsebenen ansprechen: Gemein ist den meisten Arbeiten, das sie schon die „Handlung“ als solche zur interpretatorischen Disposition stellen: Die Öffnung der Komposition und Konstruktion der Bild- und Tonsequenzen liegt schon in den Möglichkeiten der Schnittechnik begründet, die nach wie vor gern zur Eröffnung eines Spielfelds für die Kombinations- und Phantasiebegabung des Betrachters genutzt wird.

Die Bandbreite beginnt bei Videos, die nur aus einer einzigen Kameraeinstellung resultieren und dennoch mehr als filmischer Minimalismus sind, weil ihr Sujet Assoziationen auslöst, die erzählerischen Charakter bekommen können: Das 40-Sekunden-Band „Fracht“ der Finnin Jana Eske von 2003, bei dem eine Ameise eine tote Hummel von links nach rechts über einen Kachelboden durchs Bild zieht, ist entgegen vermeintlicher Banalität eine knappe Studie über sich bewegende Körper im Raum. Ebenfalls mit Tieren hat Ma Yongfen für ihr Band „The Swirl“ (2002) hantiert: Im Waschgang eines Topladers hat die Chinesin sechs Goldfische 15 Minuten gnadenlos durch die Mangel gedreht – und…

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von Beate Eckstein

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