Ausstellungen: Bern · S. 320
Ausstellungen: Bern , 1987

Paolo Bianchi/Christoph Dosswald

Die Gleichzeitigkeit des Anderen

Kunstmuseum Bern, 21.3.-14.6.1987

Frischer Wind im Berner Kunstmuseum. Nach den großen Publikumsmagneten »Der junge Picasso« und »Der Blaue Reiter« gilt es jetzt, »Die Gleichzeitigkeit des Anderen« zu entdecken. Ausstellungsmacher Jürgen Glaesemer (geboren 1939 in München) schickt den Besucher in eine Labyrinth des Esoterischen, Magischen und (Über-)Sinnlichen. Konsumorientiertes Ausstellen scheint passé. Besucherbeteiligung, das heißt ein aktives, eigenständiges Erforschen der Kunstwerke, wird gewünscht. Die Ausstellung bietet die Chance, zeitgenössische Kunst unmittelbar über das Gefühl zu erleben.

Ausstellungseröffnung: 21. März. Der Zeitpunkt scheint richtig gewählt. Frühlingsanfang, tagundnachtgleiche, uralte Rituale und Mythen, vor Jahrtausenden schon zelebriert, verleihen diesem Datum eine geheimnisvolle Weihe. »Die Gleichzeitigkeit des Anderen« setzt sich auf die Spur von Phänomenen, welche außerhalb der Welt des Rationalen, des eindimensional Wissenschaftlichen zu suchen sind. Daß gerade in der Kunst eine Auseinandersetzung mit dem Mystischen und Magischen Tradition hat, ist unbestritten. Die Berner Schau vermittelt augenfällig, wie das Thema von Gegenwartskünstlern aufgegriffen wird.

Das Reich des Anderen: Geburt und Tod, Liebe und Haß, Sexualität und Traum, Wahnsinn und Trance sind die letzten Rückzugsgebiete des Unerklärlichen, die weitgehend vom aufklärerischen Positivismus unserer Zivilisation verschont geblieben sind. Außereuropäische Kulturen dagegen scheinen ihr Sensorium für das »Andere« größtenteils erhalten zu haben. Fotografische Serien aus Afrikas Zauberwelt von Leonore Mau und die Forschungsergebnisse von Pierre Verger deuten die »andere« Ethnologie an. »Das Andere erschließt sich nicht in erster Linie durch unseren Verstand«, sagt Glaesemer, »sondern durch emotionale Bereiche der Wahrnehmung des Empfindens und der Ahnungen.«

In der Ausstellung beeindrucken zwei Kunstwerke ganz besonders, die das Andere eigentümlich…

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