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Magazin: Museen & Institutionen · von Ralf Beil · S. 442 - 443
Magazin: Museen & Institutionen , 1999

Ralf Beil
Die Kunstburg an der Ill

Straßburgs Musée d’Art Moderne et Contemporain

Kein Eingang, nirgends. Alles versperrt, vergittert, zugemauert. Wir haben uns zu früh auf die Suche nach dem „musée du troisième millénaire“ begeben und finden nur einen abweisenden Gebäudekomplex irgendwo zwischen Nationalbank und Gefängnis. Schließlich klingeln wir uns über ein Stahltor an der Rue de Molsheim hinein, fragen uns durch zu einem hermetisch verriegelten Eingangshof. Kein Wunder, daß das zentrale Entrée des Museums nicht zu erkennen ist: Es hat den Charme eines Hochsicherheitstraktes. Der erste Gefangene begegnet uns gleich hinter dem riesigen Gitter: Thomas Schüttes extraterrestrischer Rostgigant, regelrecht eingepfercht zwischen drei Holzbänken.

Das Museum hat lange auf sich warten lassen. Bereits Mitte der 60er Jahre war es anvisiert worden. Seit 1973 war es behelfsmäßig in der Ancienne Douane untergebracht. 1987 wurde ein Neubau am Standort der alten Schlachthöfe zwischen Altstadt und Bahnhofsviertel beschlossen. Ein Jahr später hat der Pariser Adrien Fainsilber (*1932) den Architektenwettbewerb für sich entschieden. Wer wäre – so wird man sich gesagt haben – geeigneter für die Überbauung der ebenso heiklen wie prominenten Scharnierstelle direkt am Stadtkanal der Ill, zwischen der malerischen „Petite France“ und uninspirierten Bauten der Nachkriegszeit, als der seit 1970 tätige Architekt, der sich neben der Pariser „Cité des sciences et de l’industrie“ auf dem Terrain der ehemaligen Schlachthöfe von Villette insbesondere als Urbanist einen Namen gemacht hat.

Der Architekt versprach denn auch für den Straßburger Museumsneubau einen „dialogue entre l’environnement, l’art et l’architecture“. „Transparence“ war sein Zauberwort. Und Kulturministerin Catherine Trautmann, damals noch Bürgermeisterin von…


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