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Gespräche mit Kunstvermittlern · S. 353 - 353
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1990

Die Veränderung ist epochal.

INTERVIEW MIT RUDOLF M. SCHOEN ÜBER DIE ZUKUNFT BERLINS NACH ÖFFNUNG DER MAUER

VON MARIUS BABIAS

Die Wahl Rudolf M. Schoens zum neuen Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler (IBK) fällt in eine Zeit umwälzender politischer und sozialer Veränderungen. Wird Berlin in Sachen Kunst Randgebiet bleiben oder zur Metropole aufsteigen?

*

M.B.: Unter Ihrem Vorgänger Michael Wewerka hat die Diskrepanz zwischen professionellen und weniger professionellen Galerien innerhalb der IBK zur Formierung des sogenannten IBG (Interessenverband Berliner Galerien) geführt. Gedenken Sie den Graben wieder zu schließen?

R.S.: Querelen hat es schon vorher gegeben. Aus meiner Sicht ist der neue Verband eher eine Werbegemeinschaft, deren Interessen, anders als bei vielen Mitgliedern der IBK, international ausgerichtet sind. Die Spaltung wird langfristig nicht beibehalten werden können, neuere Tendenzen sprechen dagegen. Bei „art express“ waren fünf Galerien aus der anderen Gruppe vertreten, bei unserer Brasilien-Ausstellung im Mai werden es sieben von unserer Seite und sieben oder acht von der anderen Seite sein. Hinsichtlich der Ausstrahlung Berlins nach draußen kann ich mir unabhängig von der Mitgliedschaft gemeinsame Serviceleistungen und Informationveranstaltungen vorstellen. Wenn ich beispielsweise an die diesjährige „Art Frankfurt“ denke, finde ich die geringe Teilnehmerzahl Berliner Galerien, gemessen an der Bedeutung der Stadt, schlimm. Vierzehn Galerien aus Hamburg, dreizehn aus München, zehn aus Stuttgart, aber nur neun aus Berlin. Es ist ein Trauerspiel.

M.B.: Das liegt möglicherweise an den strengen Aufnahmemodalitäten.

R.S.: Nein, das liegt absolut am fehlenden Willen. Köln hatte fünfzehn Berliner Galerien, die sich fast geschlossen in Frankfurt bewarben, aber nur neun wurden angenommen. Es ist ignorant und katastrophal….

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