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Kommentar · S. 72 - 73
Kommentar , 1990

Dritte Welt in Anführungszeichen

DDR KUNST UND DIE KUNST WESTEUROPAS

Man kann es sich einfach machen. Mit strikter Ablehnung wird der Kunstfreund das Verhältnis zu der jungen DDR-Kunst ein für allemal klären. Argumente lassen sich dafür finden. Das billigste davon wäre, zu behaupten, es geht uns nichts an. Schliesslich nehmen wir die Zahl übergesiedelter Künstler aus der DDR auch nicht wahr, ausser denen, die das vor Jahrzehnten getan haben, zu ihrem und unserem Vorteil.

Dabei muss man sich noch nicht einmal einer differenzierteren Wahrnehmung befleissigen. Es reicht, sich einer Parallelität des ökonomischen und kulturellen Bereichs bewusst zu werden. Schliesslich wurde der Zusammenbruch der sozialistischen Systeme hinter dem nicht mehr vorhandenen Eisernen Vorhang unbewusst als ein Sieg des Spätkapitalismus internalisiert. Dass dieser Kapitalismus den Zusammenbruch dieser Systeme, zur Abwehr eigenen Schadens, auch bezahlen muss, wird uns erst in einem späteren Stadium bewusst werden. Diese „Bezahlung“ hat der kulturelle Bereich mit den Angeboten eines Ludwig-Museums im Osten und ähnlicher Offerten schon in Aussicht genommen. Zeigen wir ihnen doch mal, wozu diese vordem verteufelte Gesellschaft auf dem künstlerischen Gebiet fähig ist! Nachholbedarf auf diesem Gebiet haben die Künstler aus dem Osten ja schon selber angemahnt. Die Frage, inwieweit Kunst aus Osteuropa im westeuropäischen Museen präsent ist, bleibt zweitrangig. Sie erhält allerdings ersten Rang, wenn altmeisterliche Künstler wie Werner Tübke oder Gerhard Altenbourg eine Gewinnspanne besonderer Güte sicherstellen. Minimalisierung des Angebots kommt dem nur entgegen. Die Museen selber werden aber davon unter Umständen nicht viel haben, weil die Preise sich demnächst in Bereichen bewegen, in denen den…

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