Titel: Realkunst - Realitätskunst , 1987

Erklärungsmuster:

Die Momente der Internalisierung, der Ästhetisierung und der Fiktionalisierung sind als Erklärungsmuster und als Voraussetzungen zu verstehen. Deren Vermittlung untereinander wird im Text nachzuverfolgen sein. Internalisierung der Kunst

Die Begriffsbildung ‚Internalisierung‘ erscheint übertrieben, meint doch ‚internalisieren‘ nach Duden: »Gruppennormen als für die eigene Person gültig übernehmen.« Da es sich um Kunst handelt und also um individuelle Äußerungen, ist der Bezug zur Kunst anscheinend ungerechtfertigt. Halten wir demgegenüber fest: Kunst hat einen zentralen Stellenwert innerhalb der spätindustriellen Gesellschaft erlangt. Steigende Besucherzahlen und die darauf antwortende Zahl von Museumsbauten, die einen weiteren Zuwachs fördern, sind nur das offensichtlichste Anzeichen dafür. Um dieses Phänomen herum hat sich eine ganze Kulturindustrie gegründet, die den Künstler als Spielkarte der Tourismusbranche sieht, sei es in zirkusartigen Veranstaltungen (André Hellers ‚Luna, Luna‘) oder auf einem mehr oder minder höheren Niveau ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ situiert. Auch wenn die Veranstaltung letzterer Art zuweilen heftige Diskussionen auslösen (siehe den Berliner Skulpturenboulevard), kann sich Kunst doch einigermaßen unbeschadet aus ihrem Getto hinaus bewegen. Sie antwortet damit auf ein Bedürfnis und stellt dies gleichzeitig her. Die Masse der Künstler steht für scheinbar vieles zur Verfügung und der, der sich weigert, bei dem Spiel mitzumachen, kann schnell ersetzt werden. Dem Renommée tut das keinen Abbruch, weil die Kunst ja scheinbar dabei immer noch ihr kritisches Potential bewahrt.

Die Situation ist Antwort auf ein historisches Faktum: weil die materiellen Bedürfnisse weitestgehend befriedigt sind, kann eine kulturelle Ausdifferenzierung stattfinden. Wenn Waren nicht mehr verkauft werden können, müssen andere Werte diesen Platz einnehmen. Das können Dienstleistungen…

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