Ausstellungen: Liechtenstein · von Johannes Lothar Schröder · S. 352
Ausstellungen: Liechtenstein , 2005

Johannes Lothar Schröder

Fabian Marcaccio:

From Altered Paintings to Paintants

Elektronisch verstärkte Malerei

Kunstmuseum Liechtenstein, 2.10.2004 – 23.1.2005

Einen de Kooning links liegen lassend, den Farbmassen hinter einem Durchgang folgend, steht man am Ende des 29 m langen „Re-Sketching Democracy“, das sich mit drei vertikalen Wellenbergen durch die Diagonale des Saals zieht. Um durch die heranbrandende Fülle dieses „Environmental Paintant“ von Fabian Marcaccio zu finden, organisierte die Kuratorin ein Konvolut von 661 Zeichnungen. Gemälde aus den 1990er Jahren und drei Animationen runden den Überblick über das Schaffen des in New York lebenden Argentiniers ab. Dem Parcours vorangestellt sind darüber hinaus Werke von Rauschenberg, Twombly, Warhol, Paolini, Lichtenstein und Gerhard Richter. Sie verdeutlichen, wie nach dem Abstrakten Expressionismus im Kontext von Pop- und Junk-Art sowohl der Fetischismus des Flachen als auch die Möblierung der Bildfläche möglich wurden. Die in Vitrinen ausgelegte Edition „Die Wechselbeziehungen der Farbe“ von Josef Albers weist darauf hin, dass Marcaccio neben der materiellen auch die immaterielle Ästhetik von Farbe beherrscht.

Kunsthistorisch instruiert betritt man nun den Saal der Arbeiten aus den 1990ern, die einen Marcaccio zeigen, der haptische Qualitäten von Pinselstrichen und Farbverläufen erfasst, um etwa Collagen aus Pornobildern und einer Kreuzigungsszene in abstrakte Malerei zu übertragen. Gemälde dieser Zeit beziehen in manieristischer Weise vergrößerte und deformierte Keilrahmen und Gewebestrukturen mit ein. Diese der surrealistischen Unterströmung folgende, nach figürlicher Plastizität aller Malmaterialien suchende Haltung unterscheidet ihn von Gerhard Richter, mit dem er wiederum die kontrollierte Applikation von Farbmassen teilt. Einblicke in diese Prozesse geben die „661 Conjectures for a New Paint Management 1989…

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