Ausstellungen: Paris · von Michael Hübl · S. 382
Ausstellungen: Paris , 2005

Michael Hübl

Farbe ohne Grenzen

Katharina Grosse »Constructions à cru«

Palais de Tokyo, 28.4. – 5.6.2005

Das Palais de Tokyo im exklusiven 16. Arrondissement von Paris ist der gebaute Inbegriff einer falschen Aufbruchstimmung. Die großen figurativen Wandplastiken an der zur Seine hin ausgerichteten Schauseite propagieren einen modernen Klassizismus, der sich gleichermaßen sachlich wie opulent gibt. Die strukturelle Krise der Zwischenkriegszeit, die im Aufstieg des Faschismus und des Nationalsozialismus ihre antithetische, weil auf scheinbaren Erfolg getrimmte Vollendung finden sollte, um dann in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zu führen – diese Krise wurde durch eine sanft abstrahierte und formschön in Stein gehauene Ode an die Musen der Antike dekorativ überspielt. Euterpe, Thalia, Erato…

Derzeit wird das Palais du Tokyo, das seit Januar 2002 offiziell als „Ort der Experimente und der Innovationen“ dient, grundlegend saniert. Die Betonkonstruktion, auf der das Bauwerk und die Anlage aufgeständert sind, wurde freigelegt, um die notwendigen baulichen Maßnahmen durchführen zu können. Auch im Innern hat man die Verkleidungen abgenommen, hat Rohre erneuert, frische Kabel verlegt. Denn, wie heißt es auf einem großen Bauschild an der Avenue du Président-Wilson: „La patrimoine c’est capital!“ – Kulturerbe ist Kapital!

Der Verwertungsgedanke, der hinter solchen Parolen steht, wird immerhin durch das Ausstellungsprogramm unterlaufen, und zwar nicht zuletzt durch Projekte wie „Constructions à cru“ (Rohkonstruktionen) von Katharina Grosse. Grosses Thema ist Farbe, Farbe in ihrer reinen, absoluten Unmittelbarkeit. Basis ihrer Arbeiten ist die Monochromie. Zu den ersten Arbeiten, mit denen Grosse weiterreichende Aufmerksamkeit fand, gehörten großzügig mit leichtgängigem Duktus gemalte Farbareale wie die türkisblauen, streifig mit Ölfarbe…

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