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Ausstellungen: München · S. 392 - 392
Ausstellungen: München , 1990

Gabi Czöppan
Giovanni Anselmo

Galerie Tanit, 3.5. – 30.6.1990

»Ich, die Welt, die Dinge, das Leben – wir sind Energiesituationen, und es kommt darauf an, daß diese Situationen sich nicht kristallisieren, sondern offen und lebendig bleiben und mit unserem Leben einhergehen.«
Giovanni Anselmo, 1969

Ausgerechnet zart getönten Granitplatten, mit jeweils einem einzigen Stahlseil auf weiß grundierten Leinwänden befestigt, verdankt der wohl sprödeste und zugleich analytischste Künstler der (nach dem Kritiker Germano Celant geprägten Begriff der) „arte povera“-Generation den „Goldenen Löwen für Malerei“ auf der diesjährigen Biennale. Doch gemalt hat Giovanni Anselmo nie. Nur etwas, was vielleicht auch Maler hervorbrächten, hat in diesem poetisch-kargen Werk seinen tatsächlichen Sinn gefunden: Der Vorzug des Bildes besteht darin, daß es undefiniert bleibt. Erst durch das Material wird der Seinsmodus festgelegt, werden die Zeichen auf ihre Grundformen zurückgeführt und zu Archetypen vereinfacht. So gesehen, sind Anselmos Wandskulpturen Bilder, in denen wir das Spiel der Materien um verlorengegangene Funktionen und Finalitäten erneut überdenken können.

Vier der auch auf der Biennale ausgestellten steinernen „Bildträger“ installierte der italienische Künstler (er ist Jahrgang 1934) – über zwei Stockwerke und drei Räume verteilt – in der Münchner Galerie Tanit. Zwei Leinwände im Parterreraum, die zu einem Paar gereiht sind, erinnern an eine Arbeit, die Anselmo vor drei Jahren hier aus ähnlichen Materialien an der gleichen Stelle und ebenfalls mit Drahtseilen an der Wand befestigt hatte. Damals waren es Steinblöcke, die zu mehreren hoch über den Köpfen der Betrachter gruppiert waren – basierend auf der Vorstellung, die Überwindung der Schwerkraft bildlich machen zu können….


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