Ausstellungen: München · S. 461
Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan

Gunter Damisch

Galerie van de Loo, 10.1.-11.2.1989

Werkschöpfung ist Weltschöpfung“ sagte Kandinsky 1913. Ebenso wie der Wiener Maler Gunter Damisch hat Kandinsky dabei auch an die Sphärenmusik Arnold Schönbergs gedacht. Kandinsky interessierte das mathematische Prinzip der Zwölftonmusik, Damisch spielt selbst (mit Danner, Grohs, Kunzmann und Rockenschaub) in der Band „Molto Brutto“.

Schönberg orientierte sich in seiner Musik um 1910 am Porträt, Damisch bezieht sich in seinen Bildern auf abstrakte Landschaften. Gemeinsam ist ihnen das Bestreben, aus überoptischen, aus koloristisch-chromatischen Klangformen gebildeten Visionen eine in Rhythmus und Tonwerten geordnete Welt zu schaffen.

Im Gegensatz zur Generation der neuen Maler, die Anfang der 80er Jahre mit breiten Pinselschlägen und körperlich fühlbaren Farbwulsten die Materialität des Malens betonten (auch Damisch hatte so eine Phase), bewegt sich der Österreicher heute auf einer mentalen Ebene, in der das Oberflächenbild, die Darstellung von Zeit und Raum wieder Bedeutung gewinnen. Die Neuorientierung Gunter Damischs ist am deutlichsten 1988 zu spüren, als er, von USA- und Nepalreisen zurückgekehrt, eine ganze Reihe kleinformatiger Bilder schuf, in denen monochrome, scheinbar atmende Flächen dominieren und die fragmentarisch makro- oder mikroskopische Lebendkulturen widerzuspiegeln scheinen.

Viele dieser „Weltbilder“, deren Ausschnitthaftigkeit auch jegliches Maß für den außerbildlichen Raum verweigerten, sind von weißen Übermalungen dominiert, konzentriert auf wenige Farbtupfen-Motive. Dieselbe Dialektik zwischen flächiger Monochromie und farbiger Häufung liegt auch der Reihe der farb-dominierten Bilder zugrunde, in denen Damisch einzelne Farben, etwa Gelb, Rot oder Schwarz, thematisiert. Wie in sich selbst zusammengezogene Kleinwelten ballen sich darauf leuchtstarke, aus unzähligen Pinseltupfen zusammengesetzte, energetische Gebilde, gleich spermahaften Ausstoßungen, Bakterien- oder Virenherden, zuweilen…

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