Ausstellungen: München · S. 459
Ausstellungen: München , 1989

Hanne Weskott

Michaela Melián

Barbara Gross Galerie, 2.2.-11.3.1989

Michaela Meliáns Vorliebe für das Triviale, für Schnörkelornamentik, Stoffetichismus und eine sich selbst karikierende Feierlichkeit bricht sich gerne im Licht einer bürgerlichen Bildung, die in den meist assoziativen Titeln ihren Ausdruck findet. Dieses Herbeizitieren großer Namen hat sie in der Installation in der Barbara Gross Galerie selbst konterkariert: sie hat prall gefüllte und individuell bemalte Säcke mit Phantombildern berühmter Künstler und Schriftsteller geschmückt. Diese Portraits hat sie von einem Polizeizeichner anfertigen lassen. Sie sind dementsprechend starr und verfremdet, so daß ein Erkennen schwierig ist. Zu diesen Sackindividuen gibt es auch ein gemeinsames „Fahndungstuch“. Die hochnotable „Verbrechergemeinde“ von Goya über van Gogh und Picasso bis zu Hemingway beschwört so einmal en bloc die bewunderten Grös-sen und rechnet mit ihrer massigen Präsenz süffisant und ironisch ab.

Wenn Michaela Melián Menschen zu unförmigen Säcken herabwürdigt, verleiht sie im Gegenzug dann den Gegenständen eine menschliche Würde, so den von ihr so genannten „Puffs“ in dieser Ausstellung. Die ersten eckigen Exemplare erinnern an die mit glänzenden Stoffen geschmückten Wäschepuffs bürgerlicher Haushaltungen. Sie spielt gekonnt mit der „Würde“ dieser Gegenstände, indem sie sie einmal mit kräftigen Farben liebevoll verkitscht, das andremal ernst wie einen Wachturm einer mittelalterlichen Burg gestaltet. Erst in ihrer Neuauflage als Rundform erhalten sie eine gewisse anthropomorphe Dimension. Mit den zierlich gespreizten Füßchen, dem lange gefälteten und selbstverständlich ornamental geschmückten Rock wirken sie wie der abgeschnittene, mehr oder weniger graziös bewegte Unterleib einer Hausdame. Daß ihre Abdeckplatte aus Pflasterstein, Rollsplit oder Eisenspänen besteht, will dazu nicht passen. Aber das…

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