Ausstellungen: Hannover/Hamburg · von Johannes Lothar Schröder · S. 415
Ausstellungen: Hannover/Hamburg , 1996

Johannes Lothar Schröder

Günther Förg

Kunstverein Hannover und Orangerie Herrenhausen, 9.12.1995 – 25.2.1996

Kunstverein in Hamburg, 5.4. – 5.5.1996

„Am liebsten möchte ich jetzt mit den Fingern Striche auf die schlecht gewischte Tafel machen!“ Spätestens beim ersten Versuch diese Tafeln zu berühren, hätte man bemerkt, daß diese Tafeln Bilder sind, und sich gewundert, daß es nicht schon andere versucht haben. Wenn das flach einfallende Sonnenlicht den ‚Tafelbildern‘ die Schatten der Fenstersprossen überwarf, stellten sich leicht Erinnerungen an eine langweilige Unterrichtsstunde in einem schmucklosen Klassenraum ein, in dem die Sonnenstrahlen einem dösenden Schüler ein Feuerwerk im Kreidestaub einer schattigen Tafel entzünden.

Dieses krasse Spiel mit dem Licht bildete an sonnigen Tagen einen Auftakt zur Förgausstellung im Kunstverein Hannover, die den monographischen Aspekt zugunsten des Eindrucks verflüchtigte, man hätte ein Museum der Avantgarde betreten. Sukzessive durchschritt man Räume mit Acrylmalereien aus den letzten Jahren, die Assoziationen mit Bildkompositionen der Jahrhundertwende, des Informels und der Abstrakten weckten.

Förg hat die Pinselstriche mit der unprätentiösen Sicherheit eines Malers auf Cotton Duck hingeschludert, der den visuellen Vorrat der Moderne verinnerlicht hat und mit ihrem Repertoire sein Spiel macht. Flanierend glaubt man, Figuren aus den Bildern von Munch in den Augenwinkeln auftauchen zu sehen und die für Clyfford Still charakteristisch ausfransenden Flächen wiederzuerkennen. Lichte Kompositionen, in denen viel Grundierung stehen geblieben ist, lassen sich, wenn man will, mit den Abstrakten der Adenauerzeit in Verbindung bringen, die malten, als Förg geboren wurde. Und dann steht man plötzlich in einer Ausstellung von Revolutionskunst, die einem das Sehen nahelegt, ohne einem Belehrendes zum Lesen vorzuhalten.

Es…

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