Titel: Insel Austria , 1987

Gustav Troger

geb. 1951 in Kohlschwarz/Stmk., lebt in Graz

Gustav Troger war vorerst mit einem burlesken Marionettenspiel hervorgetreten. Er bemalte mit Papier gefüllte Leinensäcke und inszenierte damit ein an Drähten baumelndes Dickicht, erzählerische, träumerische und ein wenig verstörende Situationen. Das Aus-den-Fugen-Geraten der Einzelteile wurde aber vom Gängelband der Aufhängung immer wieder eingeholt, ein fast rhythmischer Wechsel von Zerfall und Integration, von mythischen Ganzheitsträumen und versplitterter Realitätserfahrung war die Folge.

Nebenher beschäftigte den ehemaligen Schlosser auch eine Skulpturenauffassung ganz anderer Art. Ein monumentaler Altarblock aus Eisen, den er für eine Grazer Kirche gestaltete, läßt sich in recht formlose, eigens verschliffene Einzelteile zerlegen und wieder zusammensetzen, jedoch wiederum nicht nahtlos, sondern dergestalt, daß Fugen, Kanten, Risse und Einschnitte sichtbar bleiben. Gewisse strukturelle und arbeitsmethodische Gemeinsamkeiten gilt es zwischen den Leinensäcken und dem Eisen, im Auseinandernehmen eines Ganzen und dem Zusammenführen zu einem Neuen, festzuhalten.

Denn daran schließt das neuere Werk unmittelbar an. Es besteht einerseits aus weiteren Eisenskulpturen, andererseits aus kleinen Leinwandbildern, die jeweils für sich bestehen könnten und deren letzter Witz dann doch in der unmittelbaren Konfrontation liegt.

Auf den ersten Blick scheint sich der monumentale Ernst des Eisens nur schwer mit der gelösten Unbekümmertheit der Leinwände zu vertragen. Die Aufteilung der Fläche bzw. des Volumens in verschiebbare und zusammensetzbare Einzelformen bleibt in beiden als grundlegender Modus erhalten. Die Bilder lassen kuriose Situationen aus dem eigenen Lebensbereich, reine Farbfleckenteppiche oder geometrisch-abstrakte Formeln, verbunden mit einer punktuellen Figuration entstehen und somit ein an Paul Klee geschultes Panorama von privaten und zeitbedingt-öffentlichen Zuständlichkeiten.

Bei den Eisenskulpturen führt die Tendenz…

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von Helmut Draxler

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