Titel: 52. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 247
Titel: 52. Biennale Venedig , 2007

Republik Korea
Kurator: Soyeon Ahn

Hyungkoo Lee – The Homo Species

Am Anfang stand der Minderwertigkeitskomplex. Als der Koreaner Hyungkoo Lee begann, in den USA zu studieren, fühlte er sich nicht mehr normal, sondern plötzlich ganz klein. Die sichtbare physische Differenz zu seiner neuen kaukasisch-stämmigen Mitwelt machte dem Asiaten zu schaffen und nagte an seinem männlichen Selbstwertgefühl. Die Erfahrung des „undersized Asian male complex“, die offenbar viele asiatische Männer in westlichen Hemisphären durchleben, war für den Künstler so frustrierend, dass er den Versuch einer kreativen Therapie unternahm. Mittels Wasser gefüllter PET-Flaschen und anderer transparenter Billigmaterialien vergrößerte er optisch Teile seines Körpers. „Objectuals“ nennt er diese seit 1999 entstehenden Kunstprothesen. Besonders markant sind die Exemplare der „Helm“-Serie, mit optischen Instrumenten ausgestattete Kopfprothesen, die die Gesichtszüge aufblasen und verzerren. In der Ausstellung hat Hyungkoo Lee dieses Instrumentarium in einem grellweiß erleuchteten Raum inszeniert, einem Laboratorium für plastische Chirurgie der anderen Art. Die Auseinadersetzung mit dem Körper ist auch Thema seiner zweiten auf der Biennale vorgestellten Werkgruppe, den „Animatus Series“. Darin widmet er sich der „Untersuchung hypothetischer anatomischer Möglichkeiten von Wesen ohne existenzielle Evidenz“ – sprich dem anatomischen Knochenbau von Comicfiguren. Diese bildet er in pseudo-archäologischen Schaumodellen nach und präsentiert sie in einem musealen Vitrinen-Arrangement.

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