Titel: 52. Biennale Venedig , 2007

Japan
Kurator: Chihiro Minato

Masao Okabe – “Is There a Future for Our Past? The Dark Face of Light”

Masao Okabe leistet eine besondere Form der Erinnerungsarbeit: Seit 1977 ist er mit Kohle und Bleistift unterwegs und fixiert Strukturen von Straßen in Frottage-Technik. Seit Mitte der 1980er Jahre widmet er sich der Aufnahme historischer Spuren, die die Atombombe in Hiroshima hinterlassen hat. Neun Jahre lang arbeitete Okabe im Bahnhof der Hafenstation Ujina in Hiroshima. Während dieser Zeit entstanden 4000 Frottagen von Bordsteinen der inzwischen abgerissenen Station. 1400 dieser Papierarbeiten sind nun im japanischen Pavillon der Giardini zu einer Raum füllenden Installation inszeniert. Die gerahmten Frottagen hängen dicht an dicht mit einigen gepressten Pflanzen und anderen Fundstücken und bedecken alle Wandflächen des Ausstellungsraums. Als skulpturalen Kontrapunkt platzierte der Künstler eine sechzehn Meter lange Reihe von originalen Steinen der ehemaligen Bahnhofsplattform diagonal im Raum. Ein 131 Ordner umfassendes Archiv ergänzt die Installation. Mit seiner unmittelbaren und direkten Form der Spurensicherung setzt Okabe auch ein kritisches Zeichen gegen die immateriellen modernen Speichermedien, auf denen vermeintlich alle Informationen festgehalten werden können. In Workshops vermittelt er einem breiten Publikum die Methode der Frottage und regt die Menschen dazu an, historische Strukturen ihrer Umgebung festzuhalten.

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von Susanne Boecker

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