Titel: 52. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 257
Titel: 52. Biennale Venedig , 2007

Uruguay
Kurator: Enrique Aguerre

Ernesto Vila – “Imágenes (des) Imágenes”

Mitten durch den Pavillon von Uruguay ist eine Leine gespannt. Daran hängen an hölzernen Wäscheklammern buntfarbige Fetzen: ausgeschnittene, bemalte Papiere, Collagen, Plastikstücke, Werbeprospekte. Manche lassen – oft als Negativ – die Form von Köpfen erahnen, andere erscheinen eher amorph. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Porträts. Auf einem kleinen Podest an der Wand stehen einige Flaschen, die weitere, in transparente Flüssigkeiten getauchte Bildnisse enthalten. In seinen fragilen Installationen setzt sich Ernesto Vila seit Jahren mit einem einzigen Thema auseinander: der Verarbeitung der Erinnerung an die Zeit der Militärdiktatur (1973-1984). Eine Trauerarbeit, die vor allem von den in diesen Jahren Verschwundenen handelt. Wie ein Refrain erobern ihre Silhouetten den Raum (hängen in der Luft), die Oberfläche (gemalt auf oder herausgeschnitten aus vielerlei Materialien), die Gegenstände (mit Wasser gefüllte Flaschen lassen die Gesichter von Vermissten und Militärs verschwommen durchscheinen) … Ein Universum, in dem die schweigenden Geister der Vermissten zusammen mit anderen mythischen Persönlichkeiten der uruguayischen Kultur (Musikern, Fußballspielern, Intellektuellen usw.) sowie geliebten Personen aus der eigenen Geschichte des Künstlers leben.

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