Titel: Insel Austria · von Markus Brüderlin · S. 250
Titel: Insel Austria , 1987

Inge Graf & ZYX

geb. 1949 bzw. 1950 in Wien, leben in Wien

Graf/ZYX bedienen sich der elektronischen wie fotooptischen Medien und der stereotypen Comicschiffren in scheinbar versöhnlicher und lebensbejahender Affirmität. Auf Inges Fluoreszenzbildern erstrahlen silhouettierte Figuren und Dingformen im beziehungslosen Nebeneinander einer Kinderzimmertapete.

Die antithetische Verweigerungspraxis einer (nicht unbedingt als »zynisch« zu bezeichnenden) Vernünftigkeit in gewissen Kunstübungen der 70er Jahre weicht einem spielerisch-hedonistischen Umgang mit leeren Bild- und Begriffshülsen, entlehnt aus dem konsumästhetischen Repertoire einer hypermodernen, aber eisigen Endzeitzivilisation. Auch die synkretistische Einbeziehung exotischer Klangwelten (Japan) und Schriftzeichen verfolgt nicht die darunterliegende Bedeutung, sondern verwendet das reine ‚Sing-Sang‘ und die ‚reine Form‘ als Stilkürzel, die in die minimalisierenden Rhythmusstrukturen der Musik eingebunden werden. In die Dramaturgie des immer Gleichen werden die ebenso stereotypen Tanzfiguren von Inge und die aktionistisch verquälten Schritt- und Haltungsübungen einsynchronisiert. (…) Doch solche Bildmanifestationen, wie die hier beispielhaft von ZYX angebotenen, sind nicht rein ästhetischer Zynismus gegen und für die Verstaatlichung von Subjekt, wiewohl Zynismus auf der Kunstebene durchaus leistungsfähig wäre. Beim Künstlerduo Graf/Eberl liegt das an der selbstverständlichen Auseinandersetzung und Bearbeitung des Materials, unter Berücksichtigung der eigenen Möglichkeiten. Und dies nicht ohne den lebendigen Puls der Naivität, obwohl sie sich der Ambivalenz von Selbststilisierung und Selbstinszenierung, von Vereinnahmen und Vereinnahmt werden bewußt sind. Die schizophrene Haltung wird in der Sphäre der Kunst erheiternd reflektiert und transparent gemacht.
Markus Brüderlin (1983)

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