Titel: Kunst und Sport · von Sven Drühl · S. 68
Titel: Kunst und Sport , 2004

SVEN DRÜHL

IRONISIERUNG, ENTFUNKTIONALISIERUNG UND METAPHORISIERUNG

Beim Thema Sport in der Kunst denkt man in der Regel sofort an die Unmengen von Fußballbildern in Öl, Acryl und Aquarell oder an Skulpturen von Golfspielern, Boxern oder Radfahrern. Zu jeder Sportart gibt es die entsprechenden kunstgerechten Gegenstände. Doch damit ist das Repertoire der bildenden Kunst, die sich dem Thema Sport widmet, natürlich längst nicht erschöpft. Der Sport wird auf alle nur erdenklichen Arten künstlerisch durchleuchtet. Neben Werken, in denen dem Thema ernsthaft, voller Hingabe – sozusagen aus Sicht des Fans – oder rein abbildend nachgegangen wird, fallen in der zeitgenössischen Kunst besonders diejenigen ins Auge, bei denen ein eher spielerischer Zugang betont wird. Es lassen sich wenigstens drei Strategien ausmachen, bei denen Sport weit mehr ist als nur Sport.

1. IRONISIERUNG

Die Formen der Ironisierung der Sportthematik und ihre jeweilige Stoßrichtung sind höchst vielfältig, sie reichen von der Institutionskritik, über das politische Statement und die Befragung der Auftragssituation des Künstlers, bis zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Sport selbst.

Wenn Florian Slotawa in der Videoarbeit ,Museums-Sprint‘ (2000) einen Jogger durch die hehren Hallen der Kunst an Gemälden und Skulpturen vorbeirennen lässt, dann führt er dem Betrachter vor, was sich im Zeitalter der Kunstevent-Kultur in den Museen der Welt abspielt. Immer mehr Menschen hetzen ohne Muße durch in der Regel publikumsgerecht zusammengestellte Ausstellungen. Lange Museumsnächte fördern allerorten einen Kunsttourismus der besonderen Art, bei dem man dank Shuttle-Bus und Allround-Ticket zehn Museen in drei Stunden „abhaken“ kann. Aber Slotawa zeigt auch, dass sich die urkapitalistischen Maxime des Sports „schneller -…

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