Titel: Kunst und Sport , 2004

OLIVER ZYBOK

KUNST UND SPORT.
SYSTEMTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN

Nach Niklas Luhmann steht der Systembegriff „immer für einen realen Sachverhalt. Wir meinen mit ,System‘ also nie ein nur analytisches System, eine bloße gedankliche Konstruktion, ein bloßes Modell“.1 Ergänzend fügt er hinzu, dass auch der Vorgang des Beobachtens ein realer Vorgang ist, der seinerseits als Faktum beschrieben werden kann. Luhmann hebt den traditionellen Dualismus von Beobachter und Gegenstand auf, indem er auch die Beobachtung des Beobachters, also die Beobachtung zweiter Ordnung in seine Theorie integriert. Soziale Systeme bestehen seiner Ansicht nach nicht aus dem „Sonderding Mensch“2, auch nicht aus Handlungen, sondern aus Kommunikationen. „Der elementare, Soziales als besondere Realität konstituierende Prozeß ist ein Kommunikationsprozeß.“3 Handlungen sind davon zu unterscheiden, nicht aber zu trennen.

Die neuere soziologische Systemtheorie ist als eine Theorie selbstreferentieller Systeme konzipiert worden. Im Mittelpunkt dieser selbstreferentiellen Systeme steht die Idee der Selbstorganisation und zirkulären Selbstreproduktion von Systemelementen. Das heißt, komplexe, selbstbezüglich orientierte Systeme erzeugen die Elemente, aus denen sie bestehen, mit Hilfe bereits vorhandener Elemente. Da sie in einem endlosen Rekurs immer nur Bezug auf sich selbst nehmen, sind sie auf der Ebene ihrer inneren Steuerungsstruktur notwendigerweise geschlossen. Sie existieren in ihrem Kernbereich unabhängig von Umwelteinflüssen. Dieser Sachverhalt wird als Idee der operativen Geschlossenheit beschrieben. Zur Steigerung der Rekursivität werden unter Sonderbedingungen Kontakte zur Umwelt aufgenommen. Jeder soziale Kommunikationszusammenhang muss Mechanismen entwickeln, die eine laufende Reproduktion basaler Ereignisse möglich machen.4 Wenn keine Anschlussoperationen mehr stattfinden, kommen Systeme zum Stillstand. Der Sport zum Beispiel käme ohne die laufende Reproduktion von Trainings- und Wettkampfereignissen zu…

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