Gespräche mit Künstlern · von Magdalena Kröner · S. 208
Gespräche mit Künstlern , 2004

WILLIAM KENTRIDGE

DIE GESTALT DER SPUR, DIE GESTALT DES ERINNERNS

EIN GESPRÄCH MIT MAGDALENA KRÖNER

Der südafrikanische Künstler William Kentridge arbeitet als Zeichner, Trickfilmer und Theaterregisseur. Er wurde vor allem durch seine auf Kohlezeichnungen basierenden Animationsfilme bekannt. Seine narrativen, expressiven Tableaus kreisen um die tiefgreifenden Umwälzungen der südafrikanischen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten.

Magdalena Kröner: In einem Text des südafrikanischen Kritikers Ashraf Jamal über die aktuelle Tendenz, William Kentridge als Vorzeigekünstler Südafrikas gegenwärtig in einer Reihe weltweiter Retrospektiven zu feiern, fand ich ein aufschlussreiches Zitat, von dem aus sich zentrale Motive Ihrer Arbeit erschließen lassen. Jamal spricht an einer Stelle von einem „deprimierenden Einbalsamierungsprozeß“ in der Fülle retrospektiv angelegter Schauen, dem sich ihr Werk entgegenzusetzen weiß. Gerade vor dem Hintergrund eines derartig im Prozesshaften verorteten Werk wie dem Ihren, das sich bis in Technik und Material – bis in den einzelnen Strich hinein – der Festlegung und der Fixierung entzieht, müsste doch jede Retrospektive Ihren Intentionen grundsätzlich entgegenlaufen.

William Kentridge: Wenn alle Schauen identisch wären, bestünde tatsächlich eine Tendenz zu so etwas wie „Einbalsamierung“. Gerade in den letzten Jahren sind jedoch eine Reihe neuer Arbeiten entstanden und eine Ausstellung hindert mich ja nicht daran, weiterzuarbeiten. Es freut mich andererseits, neue Arbeiten zu zeigen, wie die Arbeit zu Georges Méliès, die sich sehr von dem unterscheidet, was ich bislang gemacht habe.

Grundsätzlich scheint es mir immer eine Art von Dichotomie zu geben – was die Beziehung eines Künstlers zu verschiedenen Arten von Publikum betrifft und den Umgang mit widersprüchlichen Erwartungen. Es gibt einerseits immer den Druck, sich…

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