Ausstellungen: Kiel · von Jens Rönnau · S. 273
Ausstellungen: Kiel , 2004

JENS RÖNNAU

Luis Camnitzer

Werke 1966 – 2003

Kunsthalle zu Kiel, 22.11.2003 – 11.1.2004

Philosophie – Konzeptkunst – Surrealismus – drei Komponenten, mit denen sich das Werk des Deutsch-Amerikaners Luis Camnitzer knapp skizzieren lässt. Süd-Nord-Amerikaner, müsste man vielleicht präzisieren, und nur ein ganz klein wenig deutsch – denn als seine jüdischen Eltern Lübeck und Nazideutschland 1939 in Richtung Uruguay verließen, war er gerade zwei Jahre alt. Nach seinem Studium in Montevideo und München siedelte Camnitzer 1964 nach New York über. Sein politisches Erbe: Nationalsozialismus in Deutschland, Kolonialismus und Militärdiktaturen in Südamerika, Freiheitsdenken und Überheblichkeit in den USA.

Zunächst ist Camnitzer der Konzeptkunst verbunden, die bis heute eine Leitlinie in seinem Werk darstellt. Doch bereits seit den siebziger Jahren kennzeichnet ein politisch-agitatorischer Charakter seine Arbeiten. In diesem Spannungsfeld ist die retrospektive Ausstellung in der Kieler Kunsthalle zu betrachten: Werke von 1966 bis 2003.

Beklemmend ist der erste Eindruck der Schau: Blut, zerbrochenes Glas, dunkle Räume mit karger Glühbirnenbeleuchtung finden sich an manchen Stellen. Aber auch jene leichtfüßigen konzeptuellen Arbeiten besonders der ersten Schaffensjahre sind darunter – etwa das Foto einer Hand, das eine Wolke wie Watte zu greifen scheint („The Discovery of Geometry“, 1978) oder „Six Sentences“ (1966), Camnitzers erstes konzeptuelles Werk überhaupt. Es besteht aus sechs verchromten Stahlwürfeln mit jeweils fünf Zentimetern Kantenlänge, auf jedem in erhabener Reliefschrift die englisch-sprachige Beschreibung einer Kunstwerks-Idee, etwa: „ein zehnstöckiges Gebäude mit aus den Fenstern fließendem Styroschaum“ oder „eine gerade dicke Linie, die von hier aus durch dich hindurch bis zum Ende des Raumes verläuft“ oder „vier Brücken, 1 Kilometer…

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