Monografie , 2004

MARTIN SEIDEL

MIT MENSCHENMASS UND SPIELWITZ

ZU DEN ARBEITEN VON WASA MARJANOV

Primär ästhetische Attitüden weichen dem Bedürfnis, der Kunst Handlungscharakter und gesellschaftliche Relevanz zu verleihen. Kunst und Leben, Kunst und Wissenschaft gehen keine getrennten Wege mehr, und auch die Architektur, der öffentliche Raum und urbane Systeme gehören seit langem zu dem, womit Künstler sich beschäftigen. Der in Düsseldorf lebende und arbeitende Bildhauer Wasa Marjanov begibt sich mit seinen Modellen, Wandskulpturen, Installationen, Zeichnungen und Fotos auf das Feld von Kunst und Architektur, ohne das Crossover zu suchen, für das er eigentlich durch sein Studium (1976-1983) bei Christian Megert am damals neu eingerichteten Lehrstuhl „Integration Bildende Kunst und Architektur“ an der Düsseldorfer Akademie prädestiniert wäre. Marjanov, 1947 in Pancevo/Jugoslawien geboren, ist dem Thema „Kunst und Architektur“ nicht so verbunden, dass er den Gegensatz von freier und angewandter Kunst überspielen würde. Architektur als Phänomen, das mehr ist als Konstruktion, wird bei ihm vielmehr zu einer über allem stehenden, spielerisch realisierten ganzheitlichen Aufgabe.

Marjanov begann als einer jener – von Stephan Schmidt-Wulffen so bezeichneten – „Modellbauer“ der Düsseldorfer Schule. Während einer relativ kurzen Phase zu Beginn der 80er Jahre, als die Neuen Wilden Konjunktur hatten, experimentierte Marjanov mit pover anmutenden verspannten Betonkreisen, aufgehängten Steinkreisen oder Steinbogen, mit zu ionischen Säulen hochgestapelten Werksteinen. In Arbeiten, die noch relativ abstrakt waren, näherte er sich zunehmend lesbaren architektonischen Inhalten an, was sich auch in Titeln wie „Turm zu Babel. Baustelle“, „Trabant“ oder „Wohnskulptur. Neue Heimat“ niederschlug.

Mit einem Formenrepertoire künstlich-idealer geometrischer Grundformen aus Kugeln, Kegeln und Kuben wandte sich Marjanov zur…

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von Martin Seidel

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