Titel: Insel Austria · von Pieter Jan Gijsberts · S. 159
Titel: Insel Austria , 1987

Jakob Gasteiger

geb. 1953 in Salzburg, lebt in Wien

… Jedes Bild erzählt vom vorhergehenden und träumt das folgende. Es ist gleichzeitig Fragment und Serie. Beinahe wörtlich gilt, daß seine Bilder sich selbst malen.

Die Anilinfarbe wechselt ihre Farbe, das aufgetragene Rot wird Grün, das leuchtende Gold Bronzegrün, und das Licht verwandelt das Grün wieder in Rot und das Bronze wieder in Gold. Die Zeit wird mitgemalt, und je länger das Bild besteht, desto mehr verwandelt es sich, bis es verschwindet und Hintergrund wird für eine neue Vermählung der Farben. So bleibt das, was nicht abgebildet werden kann – die Zeit – als Erinnerung verborgen. Denn was vergeht, wenn das Gewesene bleibt?

Die Materialität der Farbe wirkt wie eine Rückenfigur, die sich aufmacht, die Malerei, das Bild zu verlassen. »Malen um die Malerei zu verlassen« – Arnulf Rainers Dictum kann man ganz wörtlich nehmen. Die vom Farbenrepoussoir beabsichtigte Distanz bewirkt Nähe und lockt das Auge tiefer ins Innere. So wird hier nicht Zeit, sondern Farbe zum Raum.

Damit erscheinen Gasteigers Bilder als schwebende, aufgehobene Tonalitäten, die sich nicht mehr entschließen können, das eigene Geheimnis zu enthüllen. Nur als Hiatus können sie sich zeigen.

Als Augenzeugen der Kluft von Idee und Erfahrung stehen sie stumm da.
Pieter Jan Gijsberts

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