Titel: Insel Austria , 1987

Otto Zitko

geb. 1959 in Linz, lebt in Wien

Malerei ist für Otto Zitko ein äußerst langsamer Prozeß, ein Keimen und Wachsen wie in der Natur, wie in der Landschaft, aus der er seine Erkenntnisse und Kräfte zieht. Das Geheimnisvolle, Unergründbare, wie es sich ihm dort darbietet, soll auch das fertige Bild bestimmen. Bei dem erwähnten Werk bedecken die dicken Farbmassen wie gerade erstarrende Lavaströme, fast noch glühend und leuchtend, die Leinwand. Sie bilden Hügel und Gebirgsketten, sie schaffen Täler. Die Nahsicht zeigt das Tafelbild als Relief. Aus normaler Entfernung betrachtet, erscheint das Bild fast als Vergrößerung dieser Nahsicht: Eine Ahnung von Landschaft stellt sich ein, Abhänge, vielleicht ein dunkler Wald, vielleicht ein Mohnfeld, vielleicht ein Gefühl der Einsamkeit, der Ohnmacht des Menschen gegenüber den Kräften der Natur.

Die reliefartige Oberfläche entsteht in einem steten Ringen mit der Farbmaterie, Schicht wird neben Schicht gesetzt, neue, oft sehr dicke Farbe darübergelegt, bearbeitet, gleichsam durchgeknetet. Zitko reagiert, das Formwerden ereignet sich weitgehend auf der Leinwand. Der langwierige Schöpfungsakt mit seinen Zweifeln, seinen selbstverordneten Schwierigkeiten, bleibt auch beim fertigen Werk sichtbar. Die Über- und Umarbeitungsphasen jedes Bildes, die additive Gestaltungsweise, die großteils von Aktion und Reaktion bestimmt werden, sind Folgen einer krampfhaften Anstrengung eines Künstlers, der es sich nicht leicht machen will. Jedes einzelne Werk wird mühsam ertrotzt, was dazu führen kann, daß selbst unmittelbar hintereinander entstandene Bilder auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam haben. Meist beschränkt sich das Verbindende, sieht man vom Malprozeß ab, auf eine Betonung der Bildmitte – sei es als Kreis,…

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von Wolfgang Drechsler

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