Kunstforum-Gespräche , 2006

Heinz-Norbert Jocks

Jean-Paul Sartre und seine Maler

Über die Aktualität des großen Philosophen, der vor 100 Jahren geboren wurde

Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2005, in das der 100.Geburtstag von Jean-Paul Sartre fiel, zeigte sich in Paris auch 25 Jahre nach dem Tod des großen Philosophen, dass die Fronten immer noch die gleichen sind. Die einen halten den Existentialisten für einen überholten Denker, die anderen wie Bernard-Henri Lévi feiern ihn wegen seiner Aktualität. Einer, der mit ihm befreundet war, ist Michel Contat, geboren 1938 in der Schweiz. Zusammen mit Michel Rybalka verfasste er 1970 die grundlegende Chronologie und kommentierte Bibliographie „Les Ecrits de Sartre“. Zusammen mit Alexandre Astruc drehte er den legendären Film „Sartre par lui-même“. Kürzlich erschien bei Textuel sein wie ein Filmdrehbuch konzipierter Band „Passion Sartre. L’invention de la liberté“ („Die Erfindung der Freiheit“) Mit Michel Contat sprach in Paris Heinz-Norbert Jocks.

H.N-J.: Nun schrieb Sartre wiederholt über bildende Künstler und war mit einigen auch befreundet. Wie sehen Sie sein Verhältnis zur Kunst?

M.C.: Er schätzte an den Bildhauern und Malern besonders deren Suche nach dem Absoluten, die Radikalität und Exzessivität ihres Werdegangs. In seinem Verhältnis zur Bildenden Kunst spiegelt sich übrigens sein Verhältnis zur Kunst insgesamt wider. Er geht davon aus, dass die Kunst eine heilsame Wirkung auf das Individuum in seiner Kontingenz ausübt. Denken Sie nur an das Ende des Romans „Der Ekel“, wo Roquentin durch das Kunstwerk so etwas wie Heilung erfährt. Sie erlaubt es ihm, wie eine Melodie zu existieren. Sartre interessiert sich für die Bildhauerei, weil…

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von Heinz-Norbert Jocks

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