Gespräche mit Kunstvermittlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 417
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2006

Heinz-Norbert Jocks

Von Berlin nach New York

Ein Gespräch mit dem Aufsteiger Klaus Biesenbach

Mit seinem Weggang von Berlin nach New York sei die Berliner Kunstszene der letzten fünfzehn Jahre ärmer geworden. Eine Ära sei vorbei. So hieß es in einer Berliner Zeitung. Gemeint war der inzwischen 39-jährige Klaus Biesenbach, der als Kurator für Gegenwartskunst ans Museum of Modern Art in New York wechselte. Als Kunstorganisator, der 1990 scheinbar aus dem Nichts auftauchte, baute er eine alte, marode Margarinenfabrik in der Auguststraße zielstrebig zu einem weltweit angesehenen Kunstzentrum aus. Zusammen mit anderen seiner Generation mietete der Medizinstudent aus Kürten das Gebäude, um in kurzer Zeit ein internationales Programm aufzubauen. Seit 1993 werden die Kunst-Werke vom Senat gefördert, heute mit jährlich 500 000 Euro. Bis 1999 erwarb und sanierte das Land Berlin aus Lottomitteln das Gebäude, die Kosten hierfür betrugen 10 Millionen Mark. Es gab Ausstellungen, Gastateliers für Künstler, Clubs und 1992 die legendären „37 Räume“, in deren Folge das Gelände zu einem vitalen Kunstzentrum wurde, das die Berliner Jugend ebenso anzog wie Sammler und Kuratoren aus Übersee. 1998 richten die KW mit Klaus Biesenbach als Projektleiter die erste Berlin Biennale aus, die 80 000 Besucher verzeichnete. 2004 folgt die dritte Ausgabe. Jedoch machte sich mit der Zeit unter den Mitstreitern Unmut breit. Erstens, weil das Gros der Künstler aus Manhattan, statt aus Berlin kam, und zweitens, weil der Erfolg auch von fremd kuratierten Ausstellungen vor allem ihm gutgeschrieben wurde. Es kam zur Trennung, und Biesenbach blieb allein zurück.

Inzwischen ist er…

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