Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Gespräche mit Künstlern · von Doris von Drathen · S. 594
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Gespräche mit Künstlern , 2015
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Gespräche mit Künstlern

JENNY HOLZER

War Paintings im Museo Correr, Venedig

Ein Gespräch von Doris von Drathen

Wer erinnert sich noch an die Venedig Biennale von 1990, als auf den Anzeigetafeln der Gepäckausgabe am Flughafen PROTECT ME FROM WHAT I WANT aufleuchtete, oder auf marmorne Fußbodenplatten im amerikanischen Pavillon ABUSE OF POWER COMES AS NO SURPRISE eingraviert war? Mit ihren hunderten von „Truisms“ [allgemeingültigen Wahrheiten] war die 40jährige Jenny Holzer damals die jüngste Künstlerin, die den goldenen Löwen errang. „Nicht die Kunst muss sich verändern, sondern die Kunst muss die Dinge verändern“, war damals ihr Credo [cf Kunstforum Band 109, S.298].

Heute zeigt sie im Museo Correr ihre „War Paintings“. Das sind 14 Ölbilder von 2012-2014 und sechs Siebdrucke von 2006-2009. Nein, keine Wende in ihrer langen Werklogik gesellschaftskritischer LED-Spruchbänder: Die neuen Malereien beruhen wieder auf Texten, diesmal Dokumenten aus dem sogenannten amerikanischen „War on Terror“ nach dem 11.September 2001. Seit 2004 arbeitet Jenny Holzer zusammen mit Forschern und Reportern, die das amerikanische Recht auf Informationsfreiheit (Freedom of Information Act, kurz FOIA) einforderten und Einsicht nehmen konnten, in freigegebene, wenn auch stark zensierte, Regierungsdokumente zu den bekanntgewordenen Verbrechen an afghanischen und irakischen Kriegsgefangenen.

Beim Pressetermin lässt mich die Frage nicht los, ob der elegante Museums-Raum mit den Kristall-Leuchtern und die Präsentation durch den Kunstberater und Kurator Thomas Kellein kompatibel seien mit den Text-Bildern, die Folter, sexuellen Missbrauch, brutales Verprügeln dokumentieren. Darf die Thematik von Kriegsraserei zur ästhetischen Handelsware werden? Im Vergleich zu üblichen Ausstellungs-Publikationen ist der Katalog eine Ausnahme: Nicht der Künstlername ist hier Titel, sondern der Handabdruck…

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von Doris von Drathen

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