Ausstellungen: Brüssel · von Jürgen Raap · S. 377
Ausstellungen: Brüssel , 2005

Jürgen Raap

La Belgique Visionnaire België

Kuratiert von Harald Szeemann

Palais des Beaux-Arts Bruxelles, 18.2. -15.5. 2005

Belgien feiert in diesem Jahr zwei Jubiläen: den 175. Jahrestag der Staatsgründung 1830 und die Gliederung des Landes in eine Föderation vor genau 25 Jahren, nämlich 1980. Die neue staatliche Ordnung sollte den erbitterten Sprachenstreit zwischen den Flamen und den frankophonen Wallonen endlich beenden. Doch manch einer beurteilt diesen Föderalismus eher mit Skepsis: „Ich bin als Belgier geboren. Werde ich als Franzose sterben?“ fragt z.B. mit klagendem Unterton der Künstler Jacques Lennep. Er nahm an der Jubiläumsausstellung „La Belgique Visionnaire België“ im Brüsseler Kunstpalast teil, und zwar mit ironischen Zeichnungen über „typisch belgische“ Kultursymbole. Das sind in seinen Augen René Magrittes legendäres Pfeifenbild und der Comic-Hund „Tintin“ – Belgien ist bekanntlich eine Hochburg des Comic-Genres. Konsequenterweise gestaltete denn auch Anne-Mie van Kerckhoven einen Briefmarkenbogen „500 ans de poste européene“ mit Aktmotiven im Comic-Stil (2001).

Lenneps Kollege Luc Deleu hatte mit Inkrafttreten der Föderalismusreform sentimentalerweise den „letzten Stern von Belgien“ als parodistische Grabinschrift verewigt. Solche eher subversiven Exponate garantierten, dass die Jubiläumsschau nicht ins Pathetische abgedriftet ist. Man hatte bewusst den Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann eingeladen, „von außen“ einen Blick auf die Geschichte Belgiens zu werfen, und dies vor allem mit einer Auswahl von Beiträgen aus dem Bereich der bildenden Kunst. Das Ergebnis war jedoch keine reine Kunstausstellung gewesen, sondern ein Mix aus räumlich durchweg großzügig inszenierten künstlerischen Kommentaren und auch für nicht-belgische Besucher recht kurzweiligen zeithistorischen Dokumenten.

Georges Adéagbo aus Bénin hatte zehn Tage lang an seiner Installation „De…

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