Ausstellungen: Wien , 2001

Ursula Probst

Lee Bul

»The Divine Shell«

Bawag Foundation, Wien, 16.2. – 22.4.2001

Seit ihrer spektakulären Ausstellung im Museum of Modern Art, New York 1997, eilt der 37-jährigen Koreanerin Lee Bul der Ruf eines Shootingstars voraus. Zur Globalplayerin zwischen West und Ost avanciert, zählt sie zu den FixstarterInnen der Documenta 11. Von ihrer unverkrampften Auseinandersetzung mit Symptomen der asiatischen Populärkultur wie Science-Fiction-Euphorie und Karaoke-Mania profitieren auch die Werke in der Bawag Foundation. Lee Buls Skulpturen reagieren auf soziale Verschiebungen innerhalb kultureller Wandlungen. In Gestalt von Göttinnen, Monstern und Cyborgs werden die Archetypen weiblicher Identität dekonstruiert, die Rolle der Frau in der realen neuen virtuellen Welt wird hinterfragt.

Die spacige Installation Cyborg W1-W4, 1998, verwandelt den Ausstellungsraum in eine außerterrestrische Zone, die von Maschinenfrauen aus Silikon besiedelt ist. Diese weiblichen Cyborgs orientieren sich nach trendigen Manga-Heldinnen aus Animationen und Comics, die in der asiatischen Jugendkultur besonders beliebt sind. Mit übermenschlichen Kräften ausgestattet, stillen sie die Sehnsucht nach Unsterblichkeit und evozieren Assoziationen mit virtuellen Ikonen wie Lara Croft. Kopflos – amputiert in ein militaristisches Korsett gezwängt, wirken sie durch ihre Fragmentierung wie Fetische, pornografischen Männerphantasien entsprungen. Ist es die Furcht vor unkontrollierbaren, potentiell destruktiven sexuellen Energien, die sie zu Panzerwesen mutieren lässt? Trotz Genderproblematik ist es nach wie vor aktuell, dass weibliche Cyborgs vorwiegend in von Männern programmierten Computerspielen über den Monitor flimmern und ihre posthumane Codierung tief in männlichen Projektionen wurzelt. Lee Bul führt durch ihr Werk kritisch vor Augen, dass Körpertechnologien nicht frei von Geschlechterstereotypen sind. In diesem Kontext ist es von Interesse, dass die…

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von Ursula Maria Probst

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