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Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 186 - 187
Titel: Kunst und Geld , 2000

Manfred Stumpf: Neurogeld

Ähnlich wie für seinen Kollegen Vollrad Kutscher, so bieten auch für Manfred Stumpf u.a. die urbanen Kontraste in der Bankenmetropole Frankfurt/Main Anlass zur künstlerischen Bearbeitung von Geld. Anstatt einer Strafandrohung für Fälscher steht auf Stumpfs „Neuro“-Scheinen: „Mit diesem Geld soll nicht der übliche Unfug getrieben werden“. Immerhin durfte er diese Scheine 1997 im „1822-Forum“ der Frankfurter Stadtsparkasse ausstellen.

In ihrer grafischen Gestaltung gleichen sie formal dem Design „moderner“ Geldscheine, zugleich verweisen sie auf die „unendliche Reproduzierbarkeit“ von Bildern in der Drucktechnik respektive über den Computer, und in ihnen drückt sich auch Stumpfs generelles Interesse an „traditionellen Bildformen des Ornaments aus“.

Geldscheine, die innerhalb des Alltags in Umlauf sind, stellen auf ihre Art „bewegte Bilder“ dar. In gewisser Weise sind sie dem „stillen Andachtsbild“ diametral entgegengesetzt. Die Dynamik des Geldes fördert keine Kontemplation, sie vermag eher neurotische Konflikte zu schüren als buddhagleiches In-sich-Ruhen hervorzubringen.

Innerhalb von Stumpfs Gesamtwerk reihen sich diese Geldscheinbilder in eine Auseinandersetzung mit dem orientalisch-byzanthinischen Bildverständnis der Ikone ein, die er auf eine Analyse aller „Bildbotschaften von der Tätowierung bis zum TV-Testbild“ ausdehnt: alle diese Bildtypen mussten sich als Ausdruck bestimmter Inhalte innerhalb einer Gesellschaft bewähren. Stumpf: „In der Sintflut aller laufenden Bilder ist für mich das pornografische Bewegungsbild beispielhaft für die Begrenztheit einer konsumistischen Bildrezeption, die rein auf Animation ausgerichtet ist. Die Kontemplation ist nach wie vor eine Sache des stillen Bildes.“1

In der klassischen Ikonenmalerei ist die semantische Bildbotschaft grundsätzlich nicht von einer Andachtsfunktion zu trennen. Logischerweise konnte und kann ein Bild erst dann zur Ikone werden, wenn…

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